Statt Projektitis – wir brauchen einen besseren Personalschlüssel in unseren Kitas
Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage zum Förderprogramm „Empowerment für Eltern“ erklärt Nicole Anger, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt:
„Das Förderprogramm ‚Empowerment für Eltern‘ ist gescheitert! Es bleibt weit hinter dem zurück, was es verspricht. Gerade einmal 6,25 von ursprünglich geplanten 201 Vollzeitstellen für sozialpädagogische Fachkräfte wurden in der ersten Antragsrunde bewilligt – das sind nicht einmal 3 Prozent. Grund dafür sind unter anderem ein zu hoher Eigenanteil für die Träger, eine viel zu kurze Antragsfrist und der Ausschluss von Erzieherinnen und Erziehern im Programm. Wenn ein Förderprogramm an der Bürokratie scheitert, ist das kein Verwaltungsproblem, sondern ein politisches Versagen.
Die Landesregierung hat auf einige Kritikpunkte mit einer zweiten Antragsrunde zwar inzwischen reagiert – etwa durch eine Verlängerung der Antragsfrist und dem Einsatz von Erzieherinnen und Erziehern –, doch es bleibt fraglich, ob es in der zweiten Runde zu einer deutlichen Verbesserung der Antragslage kommt. Denn das Grundproblem bleibt: Es fehlt eine klare politische Priorität für dauerhaft bessere Personalschlüssel in den Kitas. Hinzu kommt, dass vielen Einrichtungen schlicht die Kapazitäten fehlen, um sich durch komplexe Antragsverfahren zu arbeiten – dem ohnehin überlasteten Personal fehlt oft schlicht die Zeit, sich neben dem Kita-Alltag auch noch um Förderanträge zu kümmern. Es wirkt, als wolle man mit befristeten Projekten strukturelle Probleme überdecken – das wird auf Dauer nicht funktionieren.
Dass Mittel, die eigentlich für die Entlastung von Kitas und die Stärkung benachteiligter Familien vorgesehen sind, nicht abgerufen werden, ist in einem Bundesland mit hoher Kinderarmut schlicht inakzeptabel. Statt immer neuer Modellprojekte braucht es endlich eine verlässliche Verbesserung des Personalschlüssels in den Einrichtungen – das ist die Grundlage für echte Chancengleichheit und Entlastung der pädagogischen Fachkräfte.
Wenn Familien gestärkt werden sollen, dann darf gute Bildung und Unterstützung nicht vom bürokratischen Aufwand oder der Finanzkraft eines Trägers oder der Kommune abhängen. Wir brauchen langfristige Lösungen – keine befristeten Programme mit Ablaufdatum.“
Zur entsprechenden Anfrage an die Landesregierung.
Magdeburg, 7. Juli 2025

