Schuleingangsuntersuchungen: Förderbedarfe steigen – Sozialministerium reagiert mit Appellen statt Taten
Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage macht Nicole Anger, kinder- und jugendpolitische sowie gesundheitspolitischer Sprecherin der Fraktion Die Linke, deutlich:
„Der Unterstützungsbedarf von Kindern in Sachsen-Anhalt nimmt seit Jahren zu – doch das Sozialministerium bleibt untätig. Besonders der sehr hohe Förderbedarf ist zuletzt besorgniserregend gestiegen – von 3,5 Prozent im Jahr 2023 auf 4,8 Prozent 2024. Deutlich wird auch, dass wir bei Einschüler:innen in 4 von 5 Förderbereichen steigende Bedarfe haben (Grobmotorik 2023: 2,9 Prozent, 2024: 3,8 Prozent, Feinmotorik 2023: 10,3 Prozent, 2024: 11,9 Prozent, Grammatik 2023: 17,1 Prozent, 2024: 18,7 Prozent, Geistige Entwicklung 2023: 5,5 Prozent, 2024: 7 Prozent) und der fünfte Förderbedarf Artikulation verbleibt auf fast gleich hohem Niveau (2023: 26,8 Prozent, 2024: 26,4 Prozent).
Diese Entwicklung ist ein Alarmsignal – und das Sozialministerium reagiert mit Achselzucken und Appellen. Statt dringend notwendiger struktureller Schritte verweist das Ministerium auf allgemeine Hinweise in Bildungsprogrammen und auf die Verantwortung der Eltern. Logopädie- oder Ergotherapie werden empfohlen, aber es gibt keine ausreichenden Strukturen, um den wachsenden Bedarf überhaupt abzudecken. Das Ministerium verschiebt die Verantwortung auf Familien und Schulen – und verschließt die Augen vor seiner eigenen Pflicht, Rahmenbedingungen für eine wirksame Förderung zu schaffen. Ein erster richtiger Schritt wäre eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels in Kitas, denn nur so kann auf die individuellen Bedarfe der Jüngsten angemessen eingegangen werden.
Doch es fehlt schlicht der politische Wille, die Bildungschancen unserer Kinder ernsthaft zu sichern. Das Sozialministerium darf nicht länger Zuschauer sein, während die Bildungsungleichheit wächst. Es reicht nicht, Zahlen zu dokumentieren und Studien abzuwarten – Kinder brauchen jetzt Unterstützung. Wer das verschleppt, riskiert ihre Zukunft.“
Magdeburg, 9. September 2025

