Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bald ohne ausgebildete Fachlehrer
Der Verlust an ausgebildeten Fachlehrkräften an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen hat extreme Ausmaße angenommen. Im laufenden Schuljahr stehen für den zu erteilenden Unterricht nur noch reichlich zur Hälfte (56,7%) Lehrkräfte mit einer abgeschlossenen Lehrerausbildung zur Verfügung. Das ergibt die Auswertung einer Anfrage der Fraktion Die Linke zur jährlichen Unterrichtsstatistik des Bildungsministeriums. Der übrige Unterricht wird in diesen beiden Schulformen durch Lehrkräfte im Seiteneinstieg (27,5%) und durch Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sowie Studierende (3,3%) übernommen oder erst gar nicht angeboten (12,5%). Nur wenig besser stellt sich die Situation an den Förderschulen dar. Über ein weitaus besseres Unterrichtsangebot durch ausgebildete Fachlehrkräfte verfügen die Grundschulen (77,2%) und vor allem die Gymnasien und Gesamtschulen (82,8%). Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Die Ergebnisse der Unterrichtsstatistik sind insgesamt frustrierend, für die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sind sie schockierend. Diese befinden sich in einer existenziellen Krise, denn nur eine Sekundarschule im ganzen Land kann den Unterricht noch zu mehr als 90 Prozent von ausgebildeten Fachlehrkräften halten lassen. Dagegen stehen in 125 von 145 Sekundar- und Gemeinschaftsschulen nicht einmal mehr für 70 Prozent des Unterrichts, davon in 42 Schulen nicht einmal mehr für 50 Prozent des Unterrichts, ausgebildete Fachlehrkräfte zur Verfügung.
Mit Blick auf die Neueinstellungen der letzten 12 Monate besteht auch für die nächsten Schuljahre keine Perspektive. Im Gegenteil wird sich die Situation der Fachlehrkräfte weiter verschärfen. Denn von den Lehrkräften, die zuletzt an die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen gekommen sind, hatte nicht einmal jede vierte Lehrkraft eine Lehrausbildung – das waren genau 103. Dagegen wurden erneut 338 Lehrkräfte ohne Lehrkräfteausbildung eingestellt, davon allein 214 – also fast die Hälfte aller Neueinstellungen – ohne einen wissenschaftlichen Hochschulabschluss.
Der Versuch, diesen Niedergang schulischer Bildung in den Schulen der Sekundarstufe I durch eine Ausweitung der Praxislerntage zu kompensieren, ist angesichts der realen Möglichkeiten der Schulen und der Betriebe nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Notwendig ist dagegen endlich der Einstieg in den schon seit Jahren von der Linken geforderten berufspraktischen Unterricht, der vom Land bezahlt und von zertifizierten Bildungsträgern und Betrieben mit ausreichend großen Ausbildungsbereichen organisiert werden soll.
Um zumindest für das kommende Jahrzehnt einen Weg aus dieser bedrohlichen Entwicklung aufzeigen zu können, sind Änderungen in der Ausbildung der Lehrkräfte und in der Schulstruktur dringend geboten. Die Sekundarschulen sind in der gegenwärtigen Form nicht länger lebensfähig. Für Die Linke besteht der Ausweg aus der Schulkrise in der schrittweisen Umwandlung aller Schulen der Sekundarstufe I in Erweiterte Gemeinschaftsschulen als eine dem Gymnasium gleichwertige Schulform. Hier soll die Möglichkeit geschaffen werden, in einer zweijährigen Fachoberstufe regelhaft die Fachhochschulreife als weiteren Hochschulzugang neben dem Abitur zu erwerben.“
Hier finden Sie die entsprechende parlamentarische Anfrage: https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d6753dak.pdf sowie eine Auswertung in Diagrammen.
Magdeburg, 18. März 2026

