Seiteneinstieg wird zum Problem an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen
Die Zahl der Lehrkräfte im Seiteneinstieg steigt weiter deutlich an und hat sich von 2.371 Ende 2024 (14,9 Prozent von allen Lehrkräften) auf 2.574 Ende 2025 (16,4 Prozent von allen Lehrkräften) erhöht. Dabei ist vor allem die Zahl der Seiteneinsteigerinnen, die über keinen Hochschulabschluss (Bachelor oder Master) verfügen, um 341 dramatisch angestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Seiteneinsteiger mit universitärem Abschluss (Master) um 161 gesunken, wobei ein kleiner Teil davon inzwischen eine vollständige Lehramtsqualifikation erworben hat. Mit Abstand sind von dieser Entwicklung am stärksten die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen betroffen. Über 1.000 Lehrkräfte (von 3.714 Lehrkräften insgesamt) unterrichten hier ohne Qualifikation als Lehrkraft, davon weit mehr als die Hälfte (589) ohne einen universitären Abschluss (Master). Inzwischen wird in fast der Hälfte aller Sekundar- und Gemeinschaftsschulen (68 von 145 Schulen) mehr als 1/3 des gesamten Unterrichts – soweit er denn erteilt wird – von Lehrkräften im Seiteneinstieg gehalten. An 12 dieser Schulen liegt der Anteil des nicht von ausgebildeten Fachlehrkräften erteilten Unterrichts deutlich über 50 Prozent, in der Spitze sogar bei über 60 Prozent. Diese Entwicklung zeigt die Auswertung der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke(KA 8/3561). Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Der Einsatz von Lehrkräften im Seiteneinstieg ist angesichts des noch für lange Zeit zu erwartenden Mangels an ausgebildeten Lehrkräften unverzichtbar. Dennoch wachsen die Probleme im Hinblick auf die Kontinuität und die Qualität des Unterrichts, wenn ihr Anteil an der gesamten Lehrerschaft einer Schule derart schnell steigt und dabei überwiegend neue Lehrkräfte eingestellt werden, die keinen universitären Abschluss oder zumindest einen Bachelor als Grundqualifikation mitbringen.
Somit bezahlen die Schülergenerationen, die heute und in den kommenden Jahren nicht an einem Gymnasium oder einer Integrierten Gesamtschule lernen dürfen, durch eine stark geminderte Schulbildung einen sehr hohen Preis für die Fehleinschätzungen von CDU und SPD in der Ausbildung des eigenen Lehrkräftenachwuchses der letzten 20 Jahre. Beständige Klagen der Wirtschaft über ungeeignete Bewerbungen für die duale Ausbildung, über mangelnde Berufsbildungsreife und schwache Ausbildungsergebnisse müssen endlich an den richtigen Adressaten gerichtet werden – die Landeregierung, die das Fiasko in den weiterführenden Schulen zu verantworten hat.
Die Landesregierung muss endlich Geld in die Hand nehmen, um zumindest teilweise eine Kompensation für den alltäglichen Mangel zu schaffen. Die aus Sicht der Linken erforderlichen und wirksamen Maßnahmen sind alle mehrfach benannt, beantrag und diskutiert worden. Auf Seiten der Landesregierung und insbesondere im Finanzministerium setzt man aber weiter darauf, möglichst kostensparend und ohne grundlegende Änderungen durch die Krise zu kommen in der Erwartung, dass sich die Probleme durch sinkende Schülerzahlen irgendwann von alleine lösen.
Die Folgen dieser Politik der Untätigkeit und des Aussitzens treten mit jedem neuen Schuljahr deutlicher zutage, doch Landesregierung und Koalition flüchten sich weiter in Ratlosigkeit und Fatalismus. Sie agieren planlos mit Maßnahmen, die möglichst nichts kosten dürfen und nur auf das Engagement der Lehrkräfte und der Schulleitungen setzen (z. B. bei den Praxislerntagen und den sogenannten 4 + 1-Modelle) oder wie bei der gescheiterten Vorgriffstunde die ohnehin schon überlasteten Lehrkräfte noch stärker in Anspruch nehmen.
Das alles ist zum Scheitern verurteilt, weil das Grundproblem nicht gelöst wird – in der Zeit des Lehrkräftemangels müssen mehr geeignete Personen mit pädagogischen Kompetenzen gewonnen werden, um qualifizierte Unterrichtsangebote zu unterbreiten oder die Lehrkräfte bei der Bildung und Erziehung im Schulalltag zu unterstützen und zu entlasten. Das sind vor allem Schulsozialarbeiterinnen, pädagogische Mitarbeiterinnen und Schulassistenten, darüber hinaus aber auch zertifizierte Bildungsträger für einen regelhaften berufspraktischen Unterricht oder auch für Fachunterricht nach Stundentafel.
Dafür fordert Die Linke für die nächsten Landeshaushalte ein freies Personalbudget für das Bildungsministerium in Höhe von jährlich 250 Millionen Euro, das ungefähr den Personalkosten entspricht, die jährlich vom Finanzministerium durch die nicht eingestellten Fachlehrkräfte einbehalten werden.“
Im Anhang finden Sie die entsprechende Anfrage der Fraktion Die Linke.
Magdeburg, 10. April 2026

