Schulreform von unten statt Etikettenschwindel von oben
Zur Debatte um eine Reform der Schulstruktur in Sachsen-Anhalt durch die Zusammenführung von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu einer neuen Schulform Oberschule erklärt der stellv. Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm beschlossen, die Schulstrukturen nach der Grundschule zu reformieren – aber mit neuem Inhalt und als Reform von unten. Die Linke will mit der inhaltlichen Weiterentwicklung der Gemeinschaftsschule zu einer erweiterten Gemeinschaftsschule eine attraktive Alternative zum Gymnasium etablieren, die als gleichwertige Schulform auf Augenhöhe mit dem Gymnasium von den Eltern für die schulische Entwicklung ihrer Kinder bewusst gewählt werden kann.
Diese Schulen bietet ab dem Ende der 7. Klasse einen qualitativ hochwertigen berufspraktischen Unterricht durch geeignete Ausbildungseinrichtungen für ganze Schulklassen an (im Unterschied zu den Praxislerntagen) und ermöglicht in einer neu zu gestaltenden Fachoberstufe (Klassenstufen 11 und 12) den Erwerb der Fachhochschulreife als weitere Hochschulzugangsberechtigung neben dem Abitur. Sekundarschulen sollen sich freiwillig in solche erweiterten Gemeinschaftsschulen umwandeln, wenn die Gesamtkonferenz dies beschließt und das entsprechende Unterrichtsangebot sichergestellt wird.
Was die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen brauchen, ist eine inhaltlich-strukturelle Neuausrichtung, die die Hierarchie im gegliederten Schulsystem überwindet. Sie brauchen aber keinen Etikettenschwindel und kein neues Namensschild an der Schultür. Solange es bei der von der CDU ins Gespräch gebrachten neuen Oberschule dabei bleibt, dass auch diese Schule nur deshalb besucht wird, weil es die Kinder nicht zum Gymnasium geschafft haben, wird das Verlierer-Image auch die Oberschulen prägen.
Außerdem besteht das derzeit größte Problem der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen im extremen Mangel an ausgebildeten Fachkräften, die landesweit durchschnittlich nur noch zur Hälfte den notwendigen Unterricht absichern können. Wie sich das durch die Umbenennung in Oberschule ändern soll, wenn in der universitären Ausbildung das Lehramt an Sekundarschulen unverändert erhalten bleibt und angehende Lehrkräfte dieses Lehramt weiterhin nicht wählen, weil sie sich für diese Schulformen nicht interessieren, dafür bleibt die CDU jegliche Erklärung schuldig.
Das Manöver der CDU dient offenkundig nur dazu, die weitere Entwicklung der Gemeinschaftsschulen als Orte längeren gemeinsamen Lernens und als erstarkender Konkurrenz zu den Gymnasien zu beenden. Das ist weniger als eine Reform, das wäre ein Rückfall in Strukturen, die die existenziellen Probleme der Nichtgymnasien auf Jahre verschärfen und durch mangelhafte Bildung ganzen Schülergenerationen die Perspektiven verbauen.“
Magdeburg, 25. März 2026

