Rettung des Mitteldeutschen Chemiedreiecks liegt jetzt in der Verantwortung der Bundes- und Landesregierungen

In der heutigen Anhörung der Vertreter im Wirtschaftsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt in Leuna ist klar geworden, dass der Ausstieg von US-Konzern Dow Chemical zu einem Dominoeffekt führen kann, der die gesamte mitteldeutsche Chemieregion gefährdet. Dazu erklärt Kerstin Eisenreich, Sprecherin für Strukturwandel und Wulf Gallert, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion: 

„Es ist zwar erfreulich, dass es eine Vielzahl von Unternehmen gibt, die sich um eine Nachfolge der Dow-Anlagen und -Standorte in Böhlen und Schkopau bewerben. Allerdings versperrt sich der US-Chemiekonzern jetzt offensiv einer Nachfolgelösung. Dow nimmt seine Verantwortung für eine Region nicht wahr, in der der Konzern lange Zeit hohe Profite eingefahren hat. Es kommt sogar noch katastrophaler: Offensichtlich versucht Dow nach Informationen der Gewerkschaft IGBCE und des Betriebsrates sogar eine weitere Nutzung der Standorte zu verhindern, um eine Marktbereinigung im Interesse anderer Konzernstandorte voranzutreiben. 

Unter diesen Bedingungen braucht es massiven Druck der Landes- und Bundespolitik auf Dow, um deren Blockade aufzubrechen. Ein Vertreter des Betriebsrates verlangte eine „Treuhand 2.0“, um Investoren die Möglichkeit zu bieten, sich in Böhlen und Schkopau anzusiedeln. Dies würde aber voraussetzen, dass Dow dazu gezwungen wird, seine Anlagen zu verkaufen oder, dass die öffentliche Hand darüber Verfügungsgewalt erhält. 

Allerdings lässt weder der Wirtschaftsminister Schulze noch die Bundesregierung erkennen, dass sie industriepolitisch für den Erhalt der Chemieregion in diesem Sinne aktiv werden wollen. Dabei zählt jetzt jeder Tag: potenzielle Investoren springen ab, andere Unternehmen an den Standorten bereiten ihren Rückzug vor. Die Sicherung der Mitteldeutschen Chemieregion ist für Sachsen-Anhalt systemrelevant. Eine schlafende Landes- und Bundesregierung können wir uns nicht leisten. 

Unsere klare Botschaft an Minister Schulze und Ministerin Reiche: Zwingen Sie Dow, die Blockade aufzugeben! Gerade für solche Situationen schreibt unser Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet“. Weiteres Abwarten und Schulterzucken gegenüber Dow wäre unverantwortlich!“

 

Magdeburg, 27. November 2025