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NGG-Tarifrunde – Arbeitgeber halten Lohnmauer im Osten bewusst aufrecht

Zu den Tarifverhandlungen in der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt betont Wulf Gallert, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke:

„36 Jahre nach der Wiedervereinigung sind massive Lohnunterschiede Realität – und die Arbeitgeber wollen daran nichts ändern. Für rund 3.000 Beschäftigte in 15 Betrieben Sachsen-Anhalts, bedeutet das weiterhin deutlich geringere Löhne als im Westen, teils mit Differenzen von über 2.000 Euro im Monat. Das steht in klarem Widerspruch zum verfassungsrechtlichen Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

Die gravierenden Lohnunterschiede zwischen Ost und West haben nichts mit der Produktivität der Beschäftigten zu tun, sondern sind Ergebnis geringer Tarifbindung und eines politisch geduldeten Niedriglohnniveaus im Osten. Die Fortschreibung dieses Zustands ist inakzeptabel. 

Das Angebot der Arbeitgeber stellt eine klare Provokation dar. Über mehr als vier Jahre sollen minimale Erhöhungen von 2 bis 2,8 Prozent erfolgen – bei monatelanger Nullrunde. Angesichts der starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre bedeutet das nichts anderes als weiteren Reallohnverlust für die Beschäftigten. Für die unteren Lohngruppen kommt faktisch Stillstand hinzu: Sie sollen gerade einmal zehn Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro liegen. 

Besonders deutlich wird das Problem am Verhalten großer Unternehmen wie der Schwarz-Gruppe (Lidl/ Kaufland) und anderer Branchenriesen. Sie entziehen sich ihrer Verantwortung, verstecken sich hinter kleineren Betrieben und blockieren eigenständige Tariflösungen – trotz anhaltender Arbeitskämpfe. 

Ein Flächentarifvertrag, der von zentralen Marktakteuren unterlaufen wird, ist keiner. Das ist keine gelebte Tarifautonomie – das ist systematische Tarifflucht.

Währenddessen steigen die Preise für Energie und Lebensmittel massiv: Allein seit 2020 haben sich die Preise für Nahrungsmittel im Schnitt um 35 Prozent verteuert. Große Handelskonzerne wie die Schwarz-Gruppe profitieren gleichzeitig von wachsenden Margen – während der Beschäftigten mit Niedriglöhnen abgespeist werden. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten. Es ist nicht hinnehmbar, dass Konzerne Gewinne steigern und gleichzeitig Löhne drücken, wir fordern von Politik und Arbeitgebern, endlich Verantwortung zu übernehmen und die Lohnmauer im Osten einzureißen.

Gute Löhne fallen nicht vom Himmel – sie werden erkämpft. Tarifverträge sind der Schlüssel für echte Mitbestimmung und Respekt im Betrieb. Wer sie schwächt, greift die Beschäftigten direkt an. Die Lohnmauer muss fallen – gemeinsam mit den Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft.“

 

Magdeburg, 25. März 2026

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