Landgrabbing auf Raten in Sachsen-Anhalt
Mit dem Verkauf der Deutschen Agrar Holding (DAH) an den australischen Fonds Igneo Infrastructure Partners wurde erstmals ein großflächiger Anteilskauf in dieser Form im ostdeutschen Agrarsektor vollzogen. Über Share Deals kontrolliert der Investor mehr als 20.000 Hektar. Die Antworten der Landesregierung auf unsere Kleine Anfrage zeigen jedoch, dass sie darin keine agrarstrukturellen Auswirkungen erkennt, trotz der Bedeutung dieses Vorgangs für den Bodenmarkt. Kerstin Eisenreich, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, erklärt dazu:
„Das ist Landgrabbing auf Raten. Große Kapitalfonds verschaffen sich Zugriff auf riesige Flächen und die Landesregierung? Unsere Kleine Anfrage zeigt: Sie prüft nichts, sie weiß nichts und sie tut nichts. Share Deals hebeln faktisch jede agrarstrukturelle Steuerung aus. Zudem kann dadurch die Grundsteuer umgangen werden. Dies stellt einen schleichenden Ausverkauf ostdeutschen Bodens dar.
Statt sich mit den strukturellen Folgen auseinanderzusetzen, erklärt das Ministerium Anteilskäufe für unproblematisch. Damit ignoriert die Koalition zentrale Risiken: Landkonzentration, Machtverschiebungen am Bodenmarkt und den möglichen Abfluss von Gewinnen ins Ausland. Gerade jetzt bräuchte es jedoch eine Politik, die Zukunft sichert, regionale Perspektiven stärkt und den ländlichen Raum nicht internationalen Investmentfonds überlässt.
Bereits 2022 hat der Landtag beschlossen, dass sich die Landesregierung auf Bundesebene für strengere Regeln bei Share Deals einsetzen soll. Seitdem ist nichts passiert. Kein Vorschlag, keine Initiative.
Wir als Linke zeigen dagegen, dass es eine Alternative gibt: eine Agrarstrukturpolitik, die die Betriebe stärkt, Eigentum gerecht ordnet und den Ausverkauf ostdeutscher Flächen stoppt. Der Boden unseres Landes gehört in die Hände der Menschen, die hier wirtschaften und nicht in Portfolios. Eine gerechte Bodenpolitik ist möglich, wenn der politische Wille da ist. Man kann und muss Share Deals verbieten oder regulieren. Wir arbeiten dafür, dass dieser Wille entsteht und dass Vertrauen zu einer gestaltbaren, solidarischen Bodenpolitik zurückkehrt.“
Magdeburg, 17. November 2025

