Land lässt Millionen für Kita-Qualität liegen – Warnsignal für frühkindliche Bildung in Sachsen-Anhalt
Zur Antwort der Landesregierung auf ihre Kleine Anfrage zur Umsetzung des Kita-Qualitätsgesetzes erklärt Nicole Anger, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke:
„Die Landesregierung präsentiert hier eine Bilanz des Scheiterns. Während landesweit Kitas schließen, Öffnungszeiten gekürzt werden und Beschäftigte am Limit arbeiten, lässt das Sozialministerium Millionen an Bundesmitteln ungenutzt. Das ist nicht nur fahrlässig, es ist bildungspolitisch verantwortungslos.
Nach den vorgelegten Zahlen bleiben seit Jahren zentrale Maßnahmen der Fachkräfte- und Qualitätsentwicklung weit hinter ihren eigenen Zielen zurück. Programme brechen ein, Stellen bleiben unbesetzt, Mittel werden massenhaft ins Folgejahr übertragen. Statt Geld ungenutzt zu lassen, hätte das Land die Bundesmittel längst in die Verbesserung des Personalschlüssels investieren müssen. Ein besserer Fachkraft-Kind-Schlüssel hilft sofort und würde Eltern, Kindern und Beschäftigten spürbar entlasten. Dass man diese Chance Jahr für Jahr verstreichen lässt, ist politisch kaum zu rechtfertigen.
Stattdessen baut sie auf groß angekündigte Fachkräfteprogramme, von denen am Ende nur jedes zweite oder dritte funktioniert. Die Landesregierung schafft es dabei nicht einmal, 28 Fachberatungsstellen in den Landkreisen zu besetzen.
Besonders deutlich zeigt sich das Versagen bei der praxisintegrierten, vergüteten Ausbildung (PiA). Von den 200 vorgesehenen Plätzen wurde im aktuellen Zyklus gerade einmal gut die Hälfte besetzt. Wenn die Landesregierung PiA als Zukunft der Fachkräftegewinnung präsentiert, muss sie erklären, warum das Programm ausgerechnet dort einbricht, wo der Bedarf am größten ist. Die Zahlen zeigen ein System, das nicht funktioniert: Die Träger kämpfen mit Bürokratie, und die Rahmenbedingungen schrecken viele ab. So verspielt man Chancen für Kinder.
Wir haben im Land kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Diese Landesregierung verwaltet den Mangel, statt Lösungen zu schaffen. Sie hat kein Konzept für stabile Kitas, keinen Willen für einen besseren Personalschlüssel und kein Gespür für die Sorgen von Eltern und Beschäftigten.
Forderungen der Fraktion Die Linke:
- Bundesmittel gezielt für eine Verbesserung der Personalschlüssel einsetzen,
- dauerhafte Entfristungen von Programmen, um Fachkräfte zu halten,
- praxisnahe und zugängliche Ausbildung stärken,
- Verwaltung vereinfachen, damit Mittel nicht weiter liegen bleiben,
- verlässliche Finanzierung, die pädagogische Qualität wirklich absichert.
Geld ist da. Was fehlt, ist politischer Wille. Wenn die Landesregierung nicht bald handelt, gefährdet sie dauerhaft die Qualität der Kita-Betreuung und das Vertrauen der Familien in eine stabile Bildungslandschaft. Damit darf man sich nicht abfinden.“
Zur entsprechenden parlamentarischen Anfrage der Fraktion Die Linke.
Magdeburg, 17. November 2025

