Krise der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen wird nicht gelöst
Während die Schülerzahlen an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen weiter steigen, sinkt die Zahl der Lehrkräfte an diesen Schulformen kontinuierlich. Diese gegenläufige Entwicklung verschärft den ohnehin extremen Lehrkräftemangel immer weiter. Das Missverhältnis zur deutlich besseren Lehrkräfteversorgung an den Gymnasien wird dabei nun noch durch das seit zwei Schuljahren eingeführte neue Verfahren zur ergänzten Schullaufbahnberatung weiter befeuert. Denn dieses scheint dazu zu führen, dass von den Grundschulen tendenziell weniger Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen werden und im Ergebnis trotz der freien Elternentscheidung auch weniger Kinder an die Gymnasien wechseln. Das geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (KA 8/3585). Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Sachsen-Anhalt hat schon seit Jahren bundesweit den geringsten Anteil an Schülerinnen und Schüler, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Es ist kein Gewinn für das Land, wenn dieser Anteil systematisch weiter gedrückt wird, indem man durch immer höhere Hürden den Kindern und ihren Eltern bereits in der 4. Klasse den Weg zum Abitur erschwert.
Hinzu kommt, dass sich durch eine Verschiebung der Schülerströme weg von den Gymnasien dort die noch relativ gute Unterrichtsversorgung weiter verbessern wird, während sich an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen immer mehr Schülerinnen und Schüler die ohnehin schon viel zu wenigen Lehrkräfte „teilen“ müssen. Die Ungerechtigkeit im Schulsystem zwischen den einzelnen Schulformen wird dadurch weiter vorangetrieben.
Eine Verschmelzung von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu einer neuen „Oberschule“ wird daran überhaupt nichts ändern, sondern nur das Schild an der Eingangstür wechseln. Die CDU kommt hier ohne jegliches inhaltliches Konzept daher und verfolgt erkennbar allein das Ziel, die Gemeinschaftsschulen als vorsichtige Versuche für längeres gemeinsames Lernens aus der Schullandschaft zu eliminieren. Das ist keine Schulreform, sondern nur ein Rollback garniert mit einem Etikettenschwindel.
Die Linke hat stattdessen in ihrem Wahlprogramm beschlossen, die Sekundarschulen auf freiwilliger Basis in Erweiterte Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Diese Schulen bietet ab dem Ende der 7. Klasse einen qualitativ hochwertigen berufspraktischen Unterricht durch geeignete Ausbildungseinrichtungen für ganze Schulklassen an (im Unterschied zu Praxislerntagen) und ermöglicht in einer neu zu gestaltenden Fachoberstufe (Klassenstufen 11 und 12) den Erwerb der Fachhochschulreife als weitere Hochschulzugangsberechtigung neben dem Abitur.
Das ist ein Weg, um Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu einer attraktiven Schulform weiterzuentwickeln, die zu den Gymnasien gleichwertig ist und von den Eltern dann auch tatsächlich interessenbezogen für ihre Kinder gewählt werden kann. Eine Schullaufbahnempfehlung der Grundschulen, die sich allein an den Noten der Kinder orientiert, entfällt dann selbstverständlich.“

