IQB-Studie – Große Lücken im Bildungsangebot führen zum Absturz der Schülerleistungen

Die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sind in ganz Deutschland in den letzten 12 Jahren, insbesondere aber in den letzten 6 Jahren, dramatisch gesunken. Das geht aus den jetzt veröffentlichten Ergebnissen der neuesten Schulleistungsuntersuchung des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hervor. Im Bildungstrend 2024 wurden die fachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im 9. Schuljahrgang in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik getestet und mit den Erhebungen von 2012 und 2018 verglichen. Besonders gravierend ist der Rückgang dabei in den ostdeutschen Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die jeweils über alle vier Fächer hinweg durchschnittlich mehr als 45 Punkte verloren haben. Das entspricht gegenüber dem früheren Kompetenzniveau einem Verlust im Lernfortschritt von fast 1,5 Schuljahren. Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

„Es war immer klar, dass der fortschreitende Lehrkräftemangel und der Einsatz von immer mehr Lehrkräften im Seiteneinstieg nicht ohne Folgen für die betroffenen SchülerInnen und Schüler bleiben werden. Jetzt hat der neueste Bildungstrend 2024 die Dimension des Verlustes an Bildung nachgewiesen. Das Kompetenzniveau der Jugendlichen in Sachsen-Anhalt entspricht heute in allen vier getesteten Fächern nur noch dem Kompetenzniveau der Jugendlichen in Bremen aus dem Jahr 2012. Bremen war damals das Schlusslicht, während Sachsen-Anhalt zusammen mit allen anderen östlichen Bundesländern noch die Spitzengruppe bildete.

Trotz der massiven Verschlechterungen befinden sich die jetzt getesteten Jugendlichen aus Sachsen-Anhalt formal noch im Mittelfeld der Bundesländer und in der Nähe des bundesweiten Durchschnitts. Allerdings ist auch das durchschnittliche Niveau insgesamt besorgniserregend gesunken. Es kann längst nicht mehr als Maßstab für die künftigen Anforderungen in einer Wissens- und Industriegesellschaft dienen, die auf hohe Bildungsleistungen angewiesen ist. Es ist nicht überrieben, vom nächsten „Pisa-Schock“ zu sprechen.

Die Nachteile, die erhebliche Teile der Schülerschaft für ihre Bildungsbiographie und ihre anschließende Ausbildung dadurch erleiden, sind gravierend und es ist zu befürchten, dass mehr Jugendliche als bisher größte Schwierigkeiten haben werden, ihren beruflichen Weg mit Erfolg zu gehen.

Die Linke fordert umgehend mehr personelle Unterstützung für die Schulen, damit wieder überall ein kontinuierliches Bildungsangebot organisiert werden kann. Unsere Vorschläge dafür liegen schon lange auf dem Tisch. Doch zusätzliches pädagogisches Personal kostet Geld, das die Landesregierung endlich freigeben muss. Etwa 200 Millionen Euro, die für fehlende Lehrkräfte nicht ausgegeben werden, weil sie nicht ausgebildet wurden, verschwinden jedes Jahr im Landeshaushalt und werden den Schülerinnen und Schülern vorenthalten. Den viel zu hohen Preis für diese staatlich verordnete Sparpolitik zahlen vor allem die Jugendlichen durch unverschuldete Bildungsdefizite, am Ende aber zahlen wir alle die Zeche für schlechte Bildung.“

 

Magdeburg, 16. Oktober 2025