Dorfgaststätten sterben – Landesregierung schaut tatenlos zu

Die Fraktion Die Linke hat eine Anfrage an die Landesregierung zur Entwicklung der Gastronomie im Land gestellt. Dazu betont Wulf Gallert, wirtschaftspolitischer Sprecher:

„Dorfkneipen und Gaststätten sind keine beliebigen Betriebe, sie sind soziale Infrastruktur. Hier trifft sich der Sportverein, werden Geburtstage gefeiert, kommen Menschen miteinander ins Gespräch. Diese Orte stiften Zusammenhalt. Wenn sie verschwinden, verliert das Dorf seinen sozialen Mittelpunkt. Während größere Städte geringere Verluste verzeichnen, verliert der ländliche Raum überproportional. Die Gastronomie konzentriert sich zunehmend auf Oberzentren. Zurück bleiben Leerstellen – allein 18 Gemeinden in Sachsen-Anhalt haben keine Kneipe oder Gaststätte mehr, mit spürbaren Folgen für das gesellschaftliche Leben vor Ort.

Die Zahl der Gastronomiebetriebe in Sachsen-Anhalt ist seit 2010 um 841 Betriebe gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 16 Prozent. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im ländlichen Raum: In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ging die Zahl der Betriebe um 23 Prozent zurück, in Städten zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern sogar um 34 Prozent.

Dorfgaststätten sind demokratische Begegnungsorte. Wo sie fehlen, wachsen Vereinzelung und Rückzug. Das Land verliert Gastronomie schneller, als es Einwohner verliert – die Versorgungsdichte sinkt. Statt gegenzusteuern, sieht die Landesregierung keinen zusätzlichen Handlungsbedarf. Eine gezielte Strategie zur Sicherung oder Neugründung von Dorfgaststätten existiert nicht. Die Landesregierung bleibt ein tragfähiges Konzept schuldig.

Die Fraktion Die Linke fordert eine gezielte Förderstrategie für gastronomische Nachfolge und Neugründungen im ländlichen Raum, die Anerkennung von Dorfgaststätten als Teil der sozialen Daseinsvorsorge sowie eine Politik, die Kaufkraft stärkt statt sie zu dämpfen. Lebendige Dörfer brauchen lebendige Treffpunkte. Wenn wir zulassen, dass diese Orte verschwinden, verlieren wir mehr als nur Betriebe. Wir verlieren Orte des Miteinanders – und damit ein Stück demokratischer Kultur.“

Zur entsprechenden parlamentarischen Anfrage: https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d6618dak.pdf

 

Magdeburg, 3. März 2026