Berufspraktischer Unterricht statt Praxislerntage

Zur Ankündigung in der heutigen Regierungserklärung von Ministerpräsident Schulze, künftig in der Schulpolitik der Landesregierung darauf zu setzen, flächendeckend alle Schülerinnen und Schüler von Sekundarschulen für einen Tag in der Woche zu Praxislerntagen in Betriebe zu schicken, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

„Mehr Praxislernen in der schulischen Bildung ist wichtig – das Konzept der Praxislerntage wird es nicht bringen! Praxislerntage für Sekundarschulen reichen nicht aus, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen (also alle Schulen der Sekundarstufe I) müssen genauso im Blick sein. 

In diesen Schulformen lernen allein in Schuljahrgängen 8 und 9 derzeit fast 25.000 Schülerinnen und Schüler. Für diese in allen Regionen des Landes betriebliche Praxisplätze zu finden, die eine ausreichende Qualität für die Bildung gewährleisten, die wöchentlich genutzt und von den Schulen ausreichend betreut werden können, ist schlicht unrealistisch und ein leeres Versprechen.

Die Forderung, die immer größeren Lücken in der Unterrichtsversorgung in den weiterführenden Schulen durch eine gute berufspraktische Grundbildung zu füllen und so einen echten Mehrwert für die Bildung zu erreichen, erhebt die Fraktion Die Linke dagegen bereits seit vielen Jahren und hat dazu auch schon mehrfach parlamentarische Initiativen unternommen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen dafür nicht einzeln zu Praktika in eine unüberschaubare Zahl von Betrieben geschickt werden, sondern durch zertifizierte Bildungsträger der beruflichen Ausbildung, durch Berufsbildende Schulen oder durch Ausbildungseinrichtungen größerer Betriebe einen berufspraktisch abgesicherten Unterricht in verschiedenen beruflichen Bereichen für die gesamte Schulklassen an einem Tag in der Woche einen berufsorientierenden Unterricht erhalten.

Die erprobten Projekte für einen solchen berufspraktischen Unterricht gibt es im Land längst, sie müssen aber bezahlt werden. Und allein daran scheitert die Umsetzung eines solchen überaus sinnvollen Konzeptes. Denn die Praxislerntage kosten das Land bisher fast nichts. Das bezahlen die einzelnen Betriebe. Es ist höchste Zeit, in der Bildung nicht mehr länger auf dem Geld zu sitzen und mangelnde Ergebnisse zu beklagen. Es muss investiert werden und der berufspraktische Unterricht ist dafür die richtige Stelle.“

 

Magdeburg, 4. März 2026