Ausbildung neuer Lehrkräfte für Sekundarschulen stürzt weiter ab
Im Wintersemester 2025/26 gibt es erneut weniger Studierende, die sich an der Martin-Luther-Universität (MLU) für das Lehramt an Sekundarschulen eingeschrieben haben. Besonders betroffen sind dabei die Fächer Mathematik, Physik und Chemie, die fast gar nicht mehr angewählt werden. Aber auch für die zweite Fremdsprache sowie für Kunst und Musik gibt es so gut wie keine Immatrikulationen. Niedrige zweistellige Immatrikulationszahlen gibt es nur noch in den Fächern Deutsch und Englisch, in Geschichte und Geographie sowie in Biologie, Ethik und Sport. Doch auch in diesen Fächern werden damit nur etwa 20 bis 40 Prozent des durch eine Expertengruppe ermittelten Ausbildungsbedarfs erreicht. Die Quote der Immatrikulationen liegt für das gesamte Lehramt deutlich unter 20 Prozent des Bedarfs. Auch von der Lehramtsausbildung an der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) kommt trotz des neuen praxisintegrierten Studienganges nur wenig Entlastung. Dieses Bild ergibt sich aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage (KA 8/3322). Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Die Landesregierung muss in Abstimmung mit den beiden Universitäten dringend einen anderen Kurs in der Lehramtsausbildung einschlagen. Offenbar gibt es für das Lehramt an Sekundarschulen und damit auch für diese Schulform keine Perspektive. Die extrem negative Entwicklung der Immatrikulationen für dieses Lehramt zeigt deutlich, dass hier mit den Füßen abgestimmt wird. In einigen Fächern ist die Ausbildung bereits marginalisiert und weitere Fächer werden folgen. Umso unverständlicher ist es, dass es für einige Fächer immer noch Zulassungsbeschränkungen (NC) gibt, durch die potenzielle Bewerberinnen und Bewerber möglicherweise von einer Einschreibung in Halle abgehalten werden.
Schon seit Jahren gibt es für das Lehramt an Sekundarschulen viel zu wenige Absolventen aus den beiden Universitäten des Landes. Deshalb werden die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen inzwischen mit Lehrkräften im Seiteneinstieg ohne didaktische und pädagogische Ausbildung überschwemmt. Das ist an diesen Schulen, an denen es aufgrund der Zusammensetzung der Schülerschaft vor allem auf die pädagogischen Kompetenzen der Lehrkräfte ankommt, besonders fatal. Trotzdem sinkt die Lehrkräfteversorgung auf immer neue Tiefststände, was die gesamte Unterrichtssituation enorm verschärft und die Lehrkräfte immer weiter an ihre Belastungsgrenze bringt.
Bildungsminister und Wissenschaftsminister und letztlich der Ministerpräsident müssen gemeinsam Wege aus dieser tiefgreifenden Krise des gesamten Schulsystems aufzeigen. Nicht zuletzt die gravierenden Verschlechterungen in den Schülerleistungen, die der letzte IQB-Bildungstrend 2024 zu Tage befördert hat, müssen endlich Konsequenzen nach sich ziehen. Dazu zählen auch grundlegende Änderungen in der Lehramtsausbildung. Für das Plenum liegt dafür u. a. ein Antrag der Fraktion Die Linke mit konkreten und umsetzbaren Vorschlägen vor. Es wird sich zeigen, ob Landesregierung und Koalition den Ernst der Lage endlich erkennen und zu zügigen Beratungen und einer Entscheidung spätestens im Frühjahr des kommenden Jahres bereit sind.“
Magdeburg, 12. Dezember 2025

