Arbeit darf nicht arm machen – fast jeder fünfte Leistungsberechtigte in Sachsen-Anhalt arbeitet

Monika Hohmann, stellv. Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, hat eine Anfrage zur Zahl der „Aufstocker“ im Land gestellt. Knapp 22.500 Menschen in Sachsen-Anhalt mussten, trotz Arbeit, zum Amt gehen und „Aufstocken“. Dazu sagt Monika Hohmann:

„Die oft polemische Debatte über angeblich faule Bürgergeldempfänger geht an der Realität vieler Menschen in Sachsen-Anhalt völlig vorbei. Eine aktuelle Anfrage an die Landesregierung zu sogenannten „Aufstockern“ zeigt deutlich: Armut entsteht nicht durch Arbeitslosigkeit, sondern durch schlechte Löhne.

Im Jahr 2024 gab es in Sachsen-Anhalt insgesamt 126.488 erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Bundesagentur für Arbeit. 22.492 von ihnen waren trotz Arbeit auf ergänzende Leistungen angewiesen – das ist fast jede bzw. jeder Fünfte. Diese Menschen gehen jeden Tag arbeiten und müssen dennoch zum Amt gehen, weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht.

Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Wer arbeiten geht, muss von dieser Tätigkeit auch leben können. Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihren Beschäftigten existenzsichernde Löhne vorenthalten, werden so indirekt von den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern subventioniert. Das ist ungerecht. Gewinne werden privatisiert, während die Allgemeinheit für Niedriglöhne aufkommt.

Sachsen-Anhalt darf kein Niedriglohnland bleiben. Die Landesregierung muss endlich Druck machen statt Rückschritte zu organisieren und über die Ärmsten im Land zu hetzen. Die aktuelle Novellierung des Vergabegesetzes ist in dieser Hinsicht ein deutlicher Rückschritt, weil sie Tarifbindung und gute Löhne schwächt statt stärkt.

Wir brauchen mehr Tarifbindung, höhere Löhne und klare Regeln bei öffentlicher Auftragsvergabe. Ohne gute Einkommen gewinnt kein Betrieb Fachkräfte – und ohne Fachkräfte hat unser Land keine Zukunft.“

Zur Anfrage der Fraktion Die Linke an die Landesregierung: https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d6303dak.pdf

 

Magdeburg, 21. Januar 2026