Hitzeschutz in Sachsen-Anhalt: Gefahr durch Hitze - Landesregierung lässt vulnerable Gruppen im Stich

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zum Hitzeschutz für besonders gefährdete Menschen zeigt eklatante Lücken: Es gibt weder verbindliche Standards für „hitzegerechte“ soziale Einrichtungen, noch einen vollständigen Überblick über den Stand der kommunalen Hitzeaktionspläne. Laut Anfrage ist lediglich bekannt, dass in vier von vierzehn Landkreisen und kreisfreien Städten Hitzeaktionspläne in Arbeit oder geplant sind. Dabei ist die Zahl heißer Tage in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen, ebenso wie die Zahl der sog. Tropennächte. Zwischen 2019 und 2024 wurden in Sachsen-Anhalt insgesamt rund 726 hitzebedingte Todesfälle geschätzt – die meisten bei Menschen über 75 Jahren. Das Landesamt für Verbraucherschutz geht von rund 2500 Hitzetoten in Sachsen-Anhalt im Zeitraum 2000-2022 aus.

„Hitze ist längst ein Gesundheitsrisiko, das jedes Jahr Menschenleben kostet – und die Landesregierung schaut weg“, kritisiert Nicole Anger, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. „Kinder, ältere Menschen und chronisch Erkrankte sind besonders gefährdet. Wer zudem in beengten Wohnungen ohne Kühlung lebt, oft in dicht bebauten Stadtteilen, hat kaum Rückzugsmöglichkeiten. Das betrifft überproportional Menschen mit geringem Einkommen. Diese soziale Dimension blendet die Landesregierung aus – dabei ist klar: Hitzeschutz ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.“

Kerstin Eisenreich, Sprecherin der Fraktion für Verbraucherschutz, ergänzt:

„Klimakrise heißt auch: mehr Hitzewellen, mehr Belastung, mehr Gefahr für Gesundheit und Leben. Das Land darf sich nicht hinter der kommunalen Zuständigkeit verstecken. Wir brauchen verbindliche Standards, die in allen sozialen Einrichtungen gelten – von Kitas über Pflegeheime bis zu Obdachlosenunterkünften. Es braucht mehr Grünflächen, Trinkwasserbrunnen, klimatisierte öffentliche Räume und gezielte Unterstützung für die, die sich selbst nicht schützen können.“

 

Die Linke Fraktion im Landtag fordert:

  • Verbindliche Hitzeaktionspläne in allen Landkreisen und kreisfreien Städten
  • Soziale Priorität bei der Vergabe von Fördermitteln
  • Verbindliche Standards für Hitzeschutz in allen staatlichen und sozialen Einrichtungen
  • Ausbau öffentlicher kühler Rückzugsorte und Trinkwasserversorgung in Städten

Zudem zeigt Barcelona, wie es besser gehen kann: Im Stadtgebiet wurden fast 400 frei zugängliche Klimaunterkünfte („climate shelters“) geschaffen – also Bibliotheken, Stadtteilzentren, Schulen, Parks und ähnlich öffentliche Orte – die während Hitzeperioden kostenfrei Trinkwasser, Sitzgelegenheiten, Shadow und Kühlung bieten und besonders auf vulnerable Gruppen abzielen.

Derzeit strebt die Stadt an, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner innerhalb von fünf Minuten eine solche Schutzstätte erreicht – ein konkretes und sozial gerechtes Ziel, von dem Sachsen-Anhalt nur träumen kann. Hitze tötet – und zwar vor allem die Ärmsten. Deshalb braucht es jetzt entschlossenes Handeln.

 

Magdeburg, 13. August 2025