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Mehr Geld für Grundschullehrkräfte

Die Fraktion DIE LINKE hat heute die bessere Bezahlung der Grundschullehrkräfte im Landtag gefordert. Dazu betont Thomas Lippmann, stellv. Fraktionsvorsitzender und bildungspolitischer Sprecher:

„Der bundesweite Wettbewerb um die zu wenigen ausgebildeten Lehrkräfte verschärft sich mit jedem neuen Schuljahr. Wie erfolgreich die Länder in den nächsten Jahren bei der Personalgewinnung sein werden, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welche Bezahlung angeboten wird. Wenn sich junge Leute entscheiden sollen, in Sachsen-Anhalt zu bleiben oder nach Sachsen-Anhalt zu kommen, dann ist die Bezahlung zwar nicht das einzige Kriterium, es wäre aber auch völlig naiv zu glauben, dass Geld bei der Entscheidung keine Rolle spielen würde. Wenn über den ausufernden Lehrkräftemangel diskutiert, wird, dann wird ja oft orakelt, dass der Beruf allgemein zu unattraktiv wäre und sich deshalb zu wenige Jugendliche dafür interessieren. Das ist aber Unsinn. Das Interesse von Abiturient*innen an einem Lehramtsstudium ist ungebrochen und im Großen und Ganzen sind wir hier im Land auch konkurrenzfähig was die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen für angehende Lehrkräfte betrifft.

Es war allerdings eine kostspielige Fehlentscheidung, die Verbeamtung der Lehrkräfte nach dem Ende der beschäftigungssichernden Tarifverträge ab 2013 einfach weiterlaufen zu lassen, statt massiv in die universitäre Ausbildung zu investieren. Lange hatte Sachsen-Anhalt bei der Bezahlung seiner Lehrkräfte gegenüber den anderen östlichen Bundesländern die Nase vorn. Der langjährige Prozess der Gleichstellung der DDR-Lehrkräfte mit den westdeutschen Lehrkräften wurde zuerst in Sachsen-Anhalt vollendet. Wir waren sogar bundesweit der Vorreiter bei der A13 für das Lehramt an Sekundarschulen.

Die Lehrkräfte in die Besoldungsgruppe A13 einzustufen, ist keine Privilegierung dieser Beschäftigten. Damit wird schlicht der geforderten Ausbildung und der Ver-wendung im Schuldienst Rechnung getragen. Im Tarifrecht des öffentlichen Dienstes wird die Entgeltgruppe 13 als sogenannte Eckeingruppierung für Beschäftigte beschrieben, die über einen wissenschaftlichen Hochschulabschluss verfügen und entsprechend eingesetzt werden. Das trifft auf alle Lehramtslaufbahnen zu – auch für das Lehramt an Grundschulen. Inzwischen wird nur noch den Lehrkräften in den Grundschulen die Eingruppierung in die A13 von der CDU verweigert. Hier wird ein längst überholtes konservatives Prinzip gepflegt: „Kleiner Sold für kleine Beine“. Und das hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass sich besonders in den Grundschulen schon von jeher Frauen um die Bildung der Kleinsten kümmern. Insofern ist das Festhalten an der niedrigen A12-Besoldung nicht nur eine Missachtung von Ausbildung und Leistungen der Grundschullehrkräfte, es ist auch mindestens mittelbar eine Diskriminierung von Frauen.

Mit dem Verbleib der Grundschullehrkräfte in der Besoldungsgruppe A12 steht Sachsen-Anhalt inzwischen im gesamten Osten allein da. Alle Länder um uns herum haben die Besoldungsgruppe A13 für ihrer Grundschullehrkräfte bereits geregelt. Wenn bei der CDU weiterhin die inhaltliche Überzeugung fehlt, dann hilft hoffentlich der ökonomische Druck des Wettbewerbs. Ohne eine gleichwertige Bezahlung gegenüber unseren Nachbarländern werden die Lücken in der Lehrkräfteversorgung gerade in unseren Grundschulen immer weiter aufgerissen. Denn wir werden noch jahrelang deutlich zu wenige Lehrkräfte aus unserer eigenen Ausbildung zur Verfügung haben, um unseren Einstellungsbedarf zu decken. Allein in den letzten acht Jahren ist der Lehrkräftebestand vor den Grundschulklassen um mehr als 400 Lehrkräfte gesunken, während die Zahl der Schüler*innen im gleichen Zeitraum um 6.500 gestiegen ist. Diese Schere wird mindestens bis 2030 weiter auseinander gehen. Wir können es uns also unter keinen Umständen leisten, auch nur eine neue Lehrkraft an andere Länder abzugeben, weil die besser bezahlen als wir.“

 

Magdeburg, 21. Juni 2022