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TOP 14: Konzept zur Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Aktionsplans der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Ja - Umweltbildung ist immer gut, ein weiterentwickeltes Konzept auch (es kann zumindest nicht schaden), mit den Schwerpunkten des Antrages könnten wir auch mitgehen.

Aber: „Weiterentwickeln“heißt eben auch „aktualisieren“. Und da greift das beantragte Konzept zu kurz, denn nicht erst heute, schon seit geraumer Zeit wird weltweit vom Nachhaltigkeitsdreieck gesprochen, das die Dreidimensionalität von Bildung für nachhaltige Entwicklung abbildet, und dabei ist eben der ökologische Aspekt nur eine Dimension neben der ökonomischen und der sozialen Dimension.

So schreibt zum Beispiel das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, das im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt alle fachlichen Sachverhalte zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Sachsen-Anhalt bearbeitet, auf seiner Webseite: „Nachhaltige Entwicklung basiert auf einem Ausgleich wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Interessen. Dies kann nur dann geschehen, wenn wir versuchen, soziale und wirtschaftliche Belange sowie den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen.“ Ähnlich formuliert es der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15. Juni 2007: „Mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung wird eine Vision von Bildung und Erziehung formuliert, die allen Menschen helfen soll, die Welt, in der sie leben, besser zu verstehen und im Sinne der Nachhaltigkeit zu verändern. Dies gilt speziell für das Verständnis der Komplexität des Zusammenhangs zwischen Globalisierung, wirtschaftlicher Entwicklung, Konsum, Umweltbelastungen, Bevölkerungsentwicklung, Gesundheit und sozialen Verhältnissen. Mit Bildung für nachhaltige Entwicklung wird eine ganzheitliche, interdisziplinäre Vision von Bildung und Erziehung formuliert, die dazu dient, Wissen und Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln, die für eine nachhaltige Zukunft unserer Erde wichtig sind. Das Konzept der BNE hat zum Ziel, Schülerinnen und Schüler zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte, demokratischer Grundprinzipien und kultureller Vielfalt zu befähigen.“

Wenn also ein weiterentwickeltes Konzept verlangt wird, sollte es auch wirklich aktuell sein und sowohl von der Benennung her als auch inhaltlich nicht nur auf Umweltbildung abzielen, sondern auf Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Nun ist der Antrag eindeutig gerichtet an das Kultusministerium. Die Verantwortung zur Gestaltung der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Enzwicklung“ liegt ja beim Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, von dort wird auch der Aktionsplan des Landes Sachsen-Anhalt gesteuert, ein Beispiel ist der Runde Tisch, der viele aktive Partner vereint. Das Kultusministerium ist da zurückhaltender. Ja, natürlich, zur  Umweltbildung gibt es in allen wichtigen schulischen Dokumenten Aussagen in Hülle und Fülle: im Schulgesetz, in den Rahmenrichtlinien bzw. Lehrplänen und in anderen Dokumenten, aber Aussagen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung kaum. Deshalb sollte der Antrag in den Schwerpunkten 1 bis 3 lieber darauf abzielen, die  Dreidimensionalität der Bildung für nachhaltige Entwicklung in alle Grundlagendokumenten für Bildung in Kindertagesstätten, in Schulen und in Hochschulen sowie anderen wissenschaftlichen Institutionen und in außerschulischen Einrichtungen aufzunehmen. Dort ist Bildung für nachhaltige Entwicklung bisher kaum verankert;  bearbeitet werden ihre Ziele nur in Form des Bundesprogramms „Transfer 21“ am Landesinstitut für Lehrerfort- und  -weiterbildung und Unterrichtsforschung des Landes Sachsen-Anhalt (LISA), und das an dieser Stelle allerdings sehr gut.

Wenn die veränderte Zielrichtung des Konzepts, so wie es unser Änderungsantrag in Teil 1 vorsieht, akzeptiert wird, dann können wir mit allen Schwerpunkten des Antrages mitgehen.

Nur Nr. 5 wünschen wir uns verändert: Hier beantragen wir eine Koordinierungsstelle des Netzwerkes (oder Beratungsstelle oder Kompetenzzentrum oder Servicezentrum). Und wir könnten uns als Aufgabe nicht nur die Zusammenführung aller Aktivitäten vorstellen, sondern auch Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer und Interessierte, Anleitung bei der Errichtung von Schülerfirmen, bes. für Schüler mit Lernschwierigkeiten, Unterstützung bei der Rhythmisierung des Schultages an Ganztagsschulen, Unterstützung bei der Schulprogrammarbeit, Betreuung eines Portals „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Bündelung aller Aktivitäten.

Gute Erfahrungen sind schon vorhanden. Als ehemalige Lehrerin bin ich am ehesten  mit denen am LISA vertraut:

  1. Von hier geht ohnehin die Moderation am Runden Tisch aus, der eine wichtige Rolle im Aktionsplan des Landes Sachsen-Anhalt spielt.
  2. Die Aktivitäten des hier gestalteten Bundesprogramms „Transfer 21“ haben eine  hohe Ausstrahlung auf die Schulen und andere dabei eingebundene Partner des Landes.
  3. Hier gibt es viele Beispiele für Projekte mit überzeugender Dokumentation, dabei legen die Multiplikatoren großen Wert auf die Verbindung von Sach- und Methodenkompetenz. Die Themen, z. B. Schülerfirmen, Syndrome des globalen Wandels, Selbstorganisiertes Lernen,  System- und Gruppenkompetenz, Selbst- und gegenseitige Evaluation geben Anregung für Ideen, die das Leben der Schüler begleiten sollen. Diese Angebote für Schulprojekte und schulinterne Lehrerfortbildungen werden von interessierten Schulen gut angenommen.
  4. Hier ist der Anlaufpunkt für die 12 Multiplikatoren des Landes, die das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ bearbeiten. Von dieser Stelle geht ein Dank an sie und alle anderen Aktiven (Umweltzentren, Öko-Schulen, Jugendwaldheime, BUND, Evangelische Akademie u. a.); ohne sie und ihren Einsatz gäbe es nicht solche Erfolge bei „Transfer 21“; die einschlägigen Boschüren am LISA belegen dies.


Schließen will ich mit einem abgewandelten Sprichwort: „Willst du für ein Jahr vorsorgen, baue Getreide an. Willst du für ein Jahrzehnt vorsorgen, pflanze Bäume. Willst du für ein Jahrhundert vorsorgen, bilde Menschen.“

Ich werbe nochmals für unseren Änderungsantrag:

  1. Zielrichtung des Konzeptes sollte nicht nur die Umweltbildung, sondern Bildung für nachhaltige Entwicklung sein.
  2. Wir sollten nicht nur ein Netzwerk schaffen, sondern auch eine Spinne ins Netz setzen, die die Fäden spinnt und das Netz pflegt.