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Kerstin Eisenreich zu TOP 19: „Weidetierprämie ein Jahr nach Landtagsbeschluss realisieren und Schafhaltung entscheidend voranbringen“ – Alternativantrag „Weidetierhaltung in Sachsen-Anhalt eine Zukunft geben“

Mit Weidetierhaltung werden Kulturlandschaften gepflegt, Landschaftspflege und Grünlanderhalt betrieben, für Artenvielfalt und Klimaschutz gesorgt. Durch Deichpflege leisten Weidetierhalterinnen und -halter einen wertvollen Beitrag zum Hochwasserschutz. Dadurch bekämpfen sie auch invasive Arten und sie versorgen uns, die Verbraucherinnen und Verbraucher, mit hochwertigen Produkten. Ihr Beitrag zur regionalen landwirtschaftlichen Wertschöpfung kann gar nicht genug Wertschätzung erfahren. Ihre Arbeit ist unverzichtbar für die Gesellschaft.

Doch diese Wertschätzung muss sich für die Halterinnen und Halter auch finanziell niederschlagen. Die Situation von Schäferinnen und Schäfern, aber auch Ziegenhalterinnen und -haltern ist prekär und sie spitzt sich weiter zu. Niedrige Einkommen bei schwerer Arbeit sowie geringe Vergütung und Wahrnehmung der Leistungen für die Gesellschaft führen dazu, dass immer mehr Weidetierhalterinnen und -halter ihren Betrieb aufgeben. Bundesweit waren das von 2007 bis 2016 fast 10.000 schafhaltende Betriebe. Angesichts dieser Situation gibt es erst recht keinen Anreiz für junge Menschen, diesen Beruf zu erlernen. Eine ähnliche Situation durchleben die Halterinnen und Halter von Mutterkühen mit Weidehaltung.

Hinzu kommen zusätzliche Herausforderungen für den Herdenschutz und die Folgen der beiden Dürrejahre.

Dies war Anlass für meine Fraktion im letzten Jahr, die Forderung nach einer konkreten auf das Muttertier bezogenen Weidetierprämie von 25,00 € aufzustellen. Diesem Antrag, der weitere Punkte zur Unterstützung der Weidetierhaltung enthielt, stimmte der Landtag mehrheitlich zu. Jedoch wurde dieser Beschluss in der Drucksache 7/3326 bis heute von der Landesregierung nicht umgesetzt. Daher erneuern wir unsere Forderung und untermauern dies mit der konkreten Summe von 500.000 Euro pro Jahr, die im Doppelhaushalt 2020/2021 Haushalt zu berücksichtigen sind.

Lassen Sie mich kurz auf ein paar Aspekte im Alternativantrag der Koalitionsfraktionen eingehen: Sie wollen keine Landesmittel verwenden, obwohl diese Weidetierbetriebe maßgeblich Landesaufgaben erfüllen. Das ist schon stark! Dass eine De-minimis-Regelung nicht nachhaltig ist, mag schon sein. Sie aber nicht zu realisieren und auch sonst den Weidetierbetrieben keine finanzielle Unterstützung bzw. auskömmliche Bezahlung zu gewährleisten und stattdessen darauf zu warten, was die nächste Förderperiode der GAP VIELLEICHT an Verbesserungen bringt, wird noch mehr Weidetierhalterinnen und -halter zur Aufgabe zwingen. Sie trotz Beschlusses des Hohen Hauses ein Jahr lang nichts für die weidetierhaltenden Betriebe getan. Wie lange wollen Sie noch warten? Bis alle Weidetierbetriebe in diesem Land verschwunden sind? Das können wir uns demnach leisten, nicht aber die geforderte Weidetierprämie? Das ist schon mehr als traurig!


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