Die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt ist am 1. Januar 2007 auf der Grundlage des am 22.März 2006 im Landtag beschlossenen Gedenkstättenstiftungsgesetzes gegründet worden. Die Stiftung hat sich u.a. zur Aufgabe gemacht, durch ihre „ Arbeit dazu beizutragen, dass das Wissen um die einzigartigen Verbrechen während der nationalsozialistischen Diktatur im Bewusstsein der Menschen bewahrt und weiter getragen wird.“
Als Mitunterzeichner dieses Antrages und das wird selbstverständlich von meiner Fraktion mit getragen, vertrete auch ich den Standpunkt, dass die Übernahme der Gedenkstätten Altengrabow und der Isenschnibber Feldscheune der Hansestadt Gardelegen unbedingt gerechtfertigt und ein gutes Ansinnen ist.
Über diesen Weg wird es einmal mehr und in noch größerer Breite gelingen, die einzigartigen Verbrechen und Gräueltaten, die der deutsche Faschismus bzw. die Nazidiktatur den Menschen in Deutschland, Europa und weltweit angetan hat, in unserem, aber auch im Bewusstsein künftiger Generationen zu bewahren. Zu bewahren und weiter zu tragen, um alle humanistischen, demokratischen Kräfte zu bündeln, mit dem Ziel, dass es nie wieder gelingen möge, dass eine perfide, menschenverachtende Räuberbande Macht über Menschen erhält und eine zivile Gesellschaft in eine bis dahin nicht gekannte Barbarei stürzt.
Auch die Gedenkstätten Altengrabow und Isenschnibbe sind eindrucksvolle Zeugnisse dafür, wozu eine solche Verbrecherbande im Stande ist. In der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe erlitten am 13. April 1945 1016 Häftlinge aus dem KZ Dora einen qualvollen Flammentod. Wer dem entrinnen wollte, wurde mit Maschinengewehren erschossen. Etliche starben schon während des Todesmarsches auf dem Weg dorthin an Erschöpfung oder wurden, weil erschöpft und nicht mehr „marschfähig“, brutal am Straßenrand ermordet.
Erschreckend viele kleine Gedenksteine an der B 71 haben stets eindrucksvoll und vor allem mahnend an diese Gräueltaten erinnert. Sie wurden bislang insbesondere auch von Kindern, Klasse und Schülergruppe in Gedenken an das Schicksal der Opfer und zur Mahnung liebevoll gepflegt. Wer immer dort entlang fuhr, sie waren für ihn/ für sie Stolpersteine, ähnlich wie wir sie heute in viele Städten unseres Landes finden. Die jüngsten Ereignisse zeigen, wie verdammt nötig wir diese Steine haben.
Abschließend darf ich noch hinzufügen, dass die Opfer des Massakers von Isenschnibbe auf einem eigens angelegten Sonderfriedhof, nach Art amerikanischer Soldatenfriedhöfe, in Einzelgräbern bestatten worden sind. Auf Befehl des amerikanischen Stadtkommandanten wurden die Bürger der Stadt Gardelegen dazu veranlasst, am 21. April 1945 jeden der 1016 Ermordeten in einem Einzelgrab würdevoll zu bestatten. Der Friedhof selbst ist 4 Tage später, am 25. April, mit einer militärischen und drei religiösen Zeremonien eingeweiht worden. Dieser Sonderfriedhof ist übrigens der einzige seiner Art, den die amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland während des 2. Weltkrieges anlegen ließen.
Es gibt also viele Gründe, die mahnende Ausstrahlungskraft beider Gedenkstätten zu stärken und nachhaltig zu gestalten. Mit der Übernahme in die Trägerschaft der Stiftung werden wir diesen Gründen ganz bestimmt noch besser Rechnung tragen können. Ich bin davon überzeugt, dass wir in diesem hohen Haus diesbezüglich einen gemeinsamen Standpunkt haben oder vor dem aktuellen Hintergrund und der gestrigen Diskussion dazu auf alle Fälle einen solchen finden werden.