16. Dezember 2011

Frank Hoffmann zu TOP 19: Sachsen-Anhalt - Land der Moderne - 100 Jahre Bauhaus 2019

Das Bauhaus, Deutschlands berühmteste Kunst- und Designeinrichtung der klassischen Moderne, 1919 von Walter Gropius gegründet, hatte seinen Hauptwirkungsort in Dessau.

Es ist Zeugnis und Inbegriff einer bahnbrechenden kulturellen Entwicklung und Veränderung, die bis heute fortwirkt, weltweit rezipiert, gewürdigt und hinsichtlich des Anspruchs an Gestaltung reflektiert wird. Die Städte, die das Bauhaus vor und nach Dessau beherbergt haben, also Weimar und Berlin, haben dies längst erkannt.
In Vorbereitung auf 100 Jahre Bauhaus und getragen von der Unterstützung ihrer Länder „wuchern“ sie nicht von ungefähr aus Imagegründen mit vorhandenen oder entstehenden Ausstellungszentren mit diesem „Pfund“, obwohl sie nur beschränkten Anteil daran haben.

Dessau hingegen, der Ort also, in dem die Bauhausmeister ihre Vorstellungen nicht nur ausformen, sondern erstmalig in vielfältiger Weise verwirklichen konnten, droht ins Abseits zu geraten. Und dies, obwohl die heutige Stiftung Bauhaus über die weltweit zweitgrößte Sammlung von Zeugnissen der Bauhausgeschichte verfügt, die freilich in Depots auf ihre längst fällige Präsentation in einer Ausstellung warten.
 
Das darf nicht sein. Dessau braucht ein Ausstellungszentrum, in dem die Besucher der Bauhausbauten und die an der Idee des Bauhauses Interessierten aus aller Welt endlich das vorfinden, was sie zurzeit vermissen: Eine Ausstellung, die über die reichlich vorhandenen architektonischen Zeugnisse hinaus ein umfassendes Bild der Intentionen, der Arbeitsweise und der lokalen wie weltweiten Ergebnisse der Bauhäusler präsentiert.

Soweit ein Zitat aus einer einmütig vom gesamten Stadtrat der Stadt Dessau-Roßlau getragenen Erklärung.

Nach dem Erleben des parlamentarischen Abends vor einigen Monaten, hatte ich den Eindruck, dass sich die Landespolitik der, über das lokale und regionale Maß weit hinausgehenden,  Bedeutung des Bauhauses wohl bewusst ist. In unserem Land, wo wir zunehmend auf alternative erneuerbare Energien setzen, wo Solartechnologien und Biotechnologieunternehmen zu prägenden Strukturelementen werden, steht uns eine Einrichtung wie das Bauhaus als Impulsgeber für modernes Design und umweltbewusstes Bauen gut zu Gesicht. Viele Zeugnisse der Kultur- und Industriegeschichte in unserem Land haben eine verpflichtende Wirkung.
In der Begründung des gemeinsamen Antrages aller Fraktion finden sich Hinweise dazu, aber wer von Ihnen wusste bis heute vom ersten Test einer Flüssigtreibstoffrakete auf einem Dessauer Geländer, oder das die Wiege von Opel in einer Garage des Dessauer Handwerksmeisters Lutzmann stand.

Die Fraktion DIE LINKE erwartet, dass sich die Landesregierung klar zu einem weitreichenden Jubiläum des Bauhauses bekennt, und dazu gehören ein Besucherzentrum und ein Ausstellungszentrum. Die bisherige unwürdige Hängepartie um die Finanzierung des Baus eines Ausstellungszentrums beim Bauhaus Dessau muss beendet werden. Sie hat den Eindruck entstehen lassen, dass das Bauhaus in Sachsen-Anhalt nur einen zweitklassigen Rang einnimmt. Damit würde die Landesregierung dem Bauhausstandort Dessau/Sachsen-Anhalt und dem bevorstehenden Jubiläum des UNESCO-Welterbes nicht gerecht. Insofern gibt es dankenswerter Weise einen neuen Trend indem sich in dem noch zu beschließenden Doppelhaushalt schon mal eine Haushaltsstelle finden soll, wenn auch bisher mit einer NULL versehen.

Es reizt mich ja dem Finanzminister den ersten Euro selbst zu geben, weil eine Null auch nicht gerade einen guten Eindruck macht, aber  das hätte haushaltsrechtlich eine verheerende Wirkung. Wir brauchen hier „Butter bei de Fische“.

Das Parlament baut heute der Landesregierung mit diesem Antrag eine Brücke zu einem, der Bedeutung des Bauhauses angemessenerem  Umgang. Auch Thüringen tat sich schwer und letztlich hat das Parlament seinen politischen Willen erklärt und inzwischen wird in Weimar geklotzt und nicht gekleckert.

Das Bauhaus kam aus Weimar, es steht in Dessau, aber es gehört der ganzen Welt. Kleiner ist die Verantwortung die wir als Sachsen-Anhalt haben nicht zu sehen. Gehen wir also mutig an Arbeit. Lassen Sie uns deshalb „ranklotzen“.