30. Januar 2018

Jedes weitere Zögern vertieft die Krise des Schulsystems

Zum Bericht der „Expertenkommission zur Bestimmung des längerfristigen Lehrkräftebedarfs“, die vor fast eineinhalb Jahren aufgrund eines Antrages der Fraktion Die LINKE vom Landtag eingesetzt wurde, erklärt der Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Lippmann:

„Was alle schon vor Jahren hätten wissen können, hat die Expertenkommission nun in aller Schärfe ans Licht gebracht. Gegen alle Vernunft und alle Warnungen von Fachleuten und der LINKEN vor den Folgen, wurden seit der Mitte der Zweitausender Jahre von allen Landesregierungen der Bedarf für die Ausbildung des Lehrkräftenachwuchses massiv unterschätzt. Die Verantwortung für den heute grassierenden Lehrermangel tragen CDU und SPD.

Jetzt steht amtlich fest, dass in den nächsten Jahren bis 2023 und noch darüber hinaus nicht einmal halb so viele Lehrkräfte bei uns im Land ausgebildet werden, wie dringend gebraucht würden. Das Defizit summiert sich bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts auf mehr als 2.000 Lehrkräfte.

Die weitegehende Abwicklung der Lehrerausbildung an der OVGU in Magdeburg war eine ebenso kurzsichtige Entscheidung, wie die Reduzierung der Seminare für die zweite Phase der Lehrerausbildung von ehemals neun Standorten auf nur noch zwei in Halle und Magdeburg. Jetzt muss konsequent umgesteuert werden. Für die Universität in Halle allein sind die geforderten Kapazitäten zu groß – nicht zuletzt wegen der Überlastung der umliegenden Schulen durch die schulpraktischen Studienanteile. Mindestens ein Drittel der künftigen Lehrkräfte muss wieder in Magdeburg ausgebildet werden.

Jedes weitere Zögern, jetzt die Ausbildungskapazitäten für die universitäre Lehrerausbildung unverzüglich von derzeit etwa 800 Erstsemesterplätzen auf die ermittelten 1.400 Studienplätze auszubauen, würde die Krise des Schulsystems vertiefen und weit über das Jahr 2030 hinaus verlängern.

Die Fraktion Die LINKE fordert die Landesregierung auf, die von den Experten vorgelegten Berechnungen konsequent und ohne Relativierungen zur Grundlage aller weiteren Planungen zu machen. Weitere Fehlentscheidungen in Bezug auf die Ausbildung des Lehrkräftenachwuchses kann sich Sachsen-Anhalt nicht mehr leisten. Der Ast, auf dem wir sitzen, ist bereits kräftig angesägt. Wenn die Einschnitte weitergehen, stürzen wir ab.“


Magdeburg, 30.01.2018