31. Mai 2017

Lehrer in Sachsen-Anhalt sind keine „faulen Säcke“

Zu den Forderungen von Finanzminister Schröder, die Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt sollten effizienter eingesetzt werden und mehr unterrichten, erklärt der bildungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Thomas Lippmann:

„Ganz im Stil seines Namensvetters Gerhardt Schröder hat Finanzminister André Schröder mal wieder ausgeholt und gegen die Arbeitszeit der Lehrkräfte gekeult. Es ist schlicht eine Missachtung der enormen Leistungen der Lehrkräfte in unserem Land, wenn immer wieder nach einer Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung und nach mehr Belastungen durch immer größere Klassen gerufen wird, nur um nicht ausreichend neues Personal einstellen zu müssen.

Die Pädagogen mussten schon in den letzten Jahrzehnten immer häufiger bis an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gehen, weil der Personalmangel ebenso gestiegen ist, wie das Durchschnittsalter der Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter*innen. Wer so geringschätzig mit seinen Beschäftigten umgeht, muss sich über deren Frust aber auch über die zunehmende Resignation und fehlende Motivation nicht wundern.

Die angeblich zu geringe Arbeitsleistung wird von Minister Schröder mit Zahlen aus einer bundesweiten Statistik begründet, die die Realität nicht wiedergeben. Herr Schröder sollte wissen, dass hierbei mehrere statistische Sondereffekte eine erhebliche Rolle spielen, die die Zahl der erteilten Wochenstunden je Lehrkraft um einiges niedriger erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist und die auch den bundesweiten Vergleich verzerren. Wichtigster Faktor ist die in Sachsen-Anhalt sehr hohe Zahl von Lehrkräften (mehr als 1.000), die sich noch in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befinden. Diese werden bei den Lehrkräften mit erfasst, erbringen aber keinerlei Arbeitsleistung mehr und drücken somit den Durchschnitt um fast eine ganze Stunde. Außerdem stammen die Zahlen aus dem Jahr 2011 und sind völlig veraltet.

Statt über die Arbeitszeit der Lehrkräfte zu schwadronieren und sich mit dem Aufwuchs von 250 Lehrkräften zu brüsten, der in den Schulen nie angekommen ist, sollte sich Herr Schröder umgehend darum kümmern, endlich die Personalmittel für die 370 Lehrkräfte freizugeben, die zum neuen Schuljahr eingestellt werden sollen, aber derzeit nicht eingestellt werden können, weil der Finanzminister auf dem Geld sitzt. Wenn hier noch weitere Wochen ins Land gehen, braucht man die Freigebe nicht mehr, dann sind die Leute wieder einmal in andere Länder abgewandert und unsere Schüler werden noch mehr im Regen stehen gelassen.“


Magdeburg, 31. Mai 2017