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1. August 2017

Schließung und Privatisierung von Schwimmbädern stoppen, Mangel an Sportlehrkräften überwinden

Stefan Gebhardt, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE im Landtag, hat sich nach Bekanntwerden einer Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zur Schwimmfähigkeit der Bevölkerung mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung gewandt, die die Situation in Sachsen-Anhalt hinsichtlich der Schwimmkompetenzen, der zur Verfügung stehenden Schwimmbäder und zum Schwimmunterricht genauer ausleuchten sollte. Zur Antwort der Landesregierung erklären Monika Hohmann, kinder-, familien- und seniorenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, und Stefan Gebhardt:

„Fast jedes 10. Kind in Sachsen-Anhalt kann nach dem Besuch der Grundschule noch nicht schwimmen. 75% der Schülerinnen und Schüler erlangen nach Auskunft der Landesregierung das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, Silber oder Gold, weitere 17% erfüllen die Kriterien „Seepferdchen plus 100m Schwimmen“.

Die Werte liegen zwar deutlich über dem Bundesdurchschnitt aber auch die 10% Nichtschwimmer geben uns Anlass zur Sorge. Mit dem Schwimmunterricht ist nämlich nicht alles zum Besten bestellt.

Der eklatante Mangel an Lehrkräften, den die Fraktion DIE LINKE seit langem kritisiert und entsprechende Vorschläge auf den Tisch gelegt hat, schlägt auch beim Sport- und Schwimmunterricht in den Schulen durch. Es kann nicht sein, dass sich die Landesregierung damit zufrieden gibt, dass vom Landesschulamt keine Statistik dazu geführt wird, wie viel Sport- und Schwimmunterricht tatsächlich ausfällt. Die Fraktion DIE LINKE dringt nachdrücklich auf eine Verbesserung der Situation bei den Sport- und Schwimmlehrkräften. Es muss zudem gelingen, adäquate Formen und Angebote zu finden, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zu geben, das Schwimmen zu erlernen.

Hinzu kommt, dass es gerade in den Landkreisen zum Teil sehr schwer ist, einen ordentlichen Schwimmunterricht zu organisieren. Selbst nach der vollständigen Übersicht in der Antwort wurden seit den neunziger Jahren 67 kommunale Schwimmbäder geschlossen und 37 privatisiert, dem stehen lediglich 27 Neu-Errichtungen gegenüber. Über 100.000 Quadratmeter gingen allein durch Schließung für die Schwimmausbildung verloren, durch Neueröffnung wurden dagegen nur gut 13.000 Quadratmeter für das Schwimmen-Lernen neu geschaffen.

Die Fahrzeiten zu den Schwimmbädern sind demzufolge oft hoch, weitere Kosten kommen für die Kommunen hinzu. Darunter leidet nicht selten der Schwimmunterricht oder muss auf Blockangebote konzentriert werden, was nach Meinung von Fachleuten eine sichere Kompetenzausprägung erschwert.

Die Fraktion DIE LINKE fordert, hier gegenzusteuern. Schwimmbäder gehören in öffentliche Hand. Die Eintrittspreise müssen erschwinglich bleiben und dürfen nicht wirtschaftlichen Interessen und Vermarktungsideen privater Anbieter untergeordnet werden. Weitere Privatisierungen oder Schließungen von Schwimmbädern müssen verhindert werden. Wo durch Privatisierungen das Angebot eingeschränkt ist, die Möglichkeiten zum Schwimmen-Lernen wegfallen oder die Preise so steigen, dass ganze Gruppen der Bevölkerung ausgegrenzt sind, sollten die Gemeinden ernsthaft über eine Rekommunalisierung nachdenken. Auch die Landesregierung sehen wir in der Pflicht, die Kommunen besser zu unterstützen, um auf diesem wichtigen Gebiet handlungsfähig zu werden.“


Magdeburg, 1. August 2017