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11. Juni 2018

Unterrichtsangebot im freien Fall – mindestens 700.000 Stunden nicht regulär vertreten

Immer mehr Schüler in den Schulen und immer weniger Lehrerinnen und Lehrer vor den Klassen – bedingt durch massive Einschnitte in die Zuweisung von Lehrkräften und durch den wachsenden Krankenstand wird in allen Schulformen immer weniger Unterricht regulär erteilt. Totalausfall und Zusammenlegungen von Klassen nehmen zu und gehören inzwischen an vielen Schulen längst zum Alltag. Das geht aus mehreren Anfragen der Fraktion Die LINKE zu Unterrichtsausfall und Vertretung (u.a. KA 7/1144, 7/1427, 7/1731) und der jährlichen Statistik des Bildungsministeriums zur Unterrichtsversorgung hervor. Gefragt wurde dabei zuletzt nach den aktuell verfügbaren Daten bis zum April 2018. Dazu erklärt der Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Lippmann:

„Alles Gerede über einen angeblichen Kurswechsel in der Personalpolitik und die Wende in der Unterrichtsversorgung erweist sich bei nüchterner Betrachtung der Fakten als unhaltbare Schönfärberei. Der Umfang des regulär erteilten Unterrichts, der bei den Schülerinnen und Schülern tatsächlich ankommt, befindet sich seit vier Jahren im Sinkflug. Auch in der neuen Legislatur setzt sich der Kurs der Vorgängerregierung unverändert fort. Im laufenden Schuljahr werden dabei erneut alle bisherigen Negativrekorde gebrochen.

Allein durch die Kürzungen in den Lehrerzuweisungen wurde der Unterricht gegenüber dem Vorjahr bereits um ca. 3,4% oder um knapp 400.000 Stunden reduziert. Darüber hinaus kann als Folge der schlechten Unterrichtsversorgung immer mehr Unterrichtsausfall nicht mehr durch andere Lehrkräfte vertreten werden. Der nicht regulär erteilte Unterricht durch Klassenzusammenlegungen, sonstige Maßnahmen und Totalausfall wird den bisherigen Höchststand aus dem letzten Schuljahr von 6,14% am Gesamtbedarf erneut deutlich übersteigen und mehr als 6,4% erreichen. Insgesamt werden somit in diesem Schuljahr mindestens 700.000 der geplanten Unterrichtsstunden nicht regulär vertreten.

Beide Entwicklungen zusammen führen dazu, dass allein im Jahresvergleich für den Unterricht mindestens 410.000 Stunden weniger zur Verfügung stehen. Das ist für jeden der etwa 176.000 Schüler*innen pro Unterrichtswoche mehr als eine Stunde weniger Unterricht. Vor vier Jahren, in Schuljahr 2013/14, lag das Unterrichtsangebot je Schüler*in und Schulwoche real noch um 3 Stunden höher als heute.

Sachsen-Anhalt verzeichnet einen Niedergang der Bildungsqualität in seinen allgemeinbildenden Schulen. Entgegen den Ankündigungen im Koalitionsvertrag, den Abbauprozess endlich zu stoppen, wurde der Rückbau des Schulsystems im aktuellen Schuljahr sogar noch weiter beschleunigt. Noch nie in der Geschichte des Lands hat es so drastische Einschnitte in das Unterrichtsangebot gegeben wie derzeit. Seit dem Schuljahr 2013/14 sind inzwischen 10% des vormaligen Unterrichtsangebotes verschwunden – das entspricht einem ganzen Schuljahr.

Mit dem neuen Schuljahr droht eine weitere Zuspitzung dieser Entwicklung, denn nach dem derzeitigen Stand wird es erneut nicht gelingen, auch nur die ausscheidenden Lehrkräfte zu ersetzen. Von zusätzlichen Lehrkräften kann keine Rede sein.


Magdeburg, 11. Juni 2018


Anlage zur Pressemitteilung