20. April 2018

Monika Hohmann zu TOP 20: Wahre Bildung statt Bildungssimulation - Landesprogramm "Bildung elementar" überarbeiten

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren,

der uns vorliegende Antrag der AfD demonstriert in erschreckender Art und Weise, welches rückwärtsgewandte, gestrige und völlig unmoderne Bild Sie von Bildungs-prozessen im frühkindlichen Alter haben. Es existiert eine Unmenge an hervorragender Literatur zum Thema frühkindliche Bildung, da hätte Sie mal reinschauen sollen. Dann hätte Sie entdecken können, dass im Bereich der frühkindlichen Bildung verschiedene Bildungsformen benannt werden:

1. Die Selbstbildung. Das Kind ist sich selbst der Lehrende. Das Kind eignet sich über kreativen Beschäftigungstrieb, die Intensität des kindlichen Spiels, Neugier und Entdeckungsfreude die Welt selbst an. Dabei lernt es ständig. Pädagoginnen und Pädagogen fördern dieses Lernverhalten durch offene Bildungsangebote.

2. Die ko-konstruktive Bildung in der Peergroup oder im Verhältnis Erzieher-Kind. Hier stehen Interaktionsprozesse im Mittelpunkt des Bildungsgeschehens. Kinder lernen also von- und miteinander. Pädagogen sollten sich nicht als Belehrende, sondern als Lern- und Spielpartner verstehen. Die von den Erzieherinnen geforderte Haltung ist deshalb die der Kindzentrierung.

3. Die Bildung durch Lehren. Also wie in der Schule, könnte man sagen. Doch das wäre falsch. Im Gegensatz zur Schule bedeutet Bildung durch Lehren im Kita-Bereich, stets die Neugier und die Mitwirkung der Kinder anzusprechen. Das ist leider in der Schule nicht immer der Fall.

Sehr geehrte Damen und Herren, mit Ihrem Antrag blenden Sie also wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse der Hirnforschung, der Lern- und Entwicklungspsychologie schlichtweg aus. Mehr noch, in dem Sie auf eine Bildung „als Produkt und Ziel einer von außen kommenden Er-ziehung“ abzielen, stellen Sie Kinder und ihre Fähigkeiten selbst zu lernen in Frage. Aber ein anderes Menschenbild der AfD sind wir ja nicht gewohnt.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ja, das Programm „Bildung elementar“ ist prozesshafter Natur und sollte unserer Meinung nach immer, wenn nötig, fortgeschrieben und weiterentwickelt werden. Jedoch nicht, in der hier vorgeschlagenen Weise. Vielmehr gehören verstärkt mehr Genderkompetenzen, mehr Wissen um Gleichstellung und Vielfalt der Lebensformen (Stichwort Kita-Koffer), mehr Wissen um Medien und Digitalisierung und demokratische Bildungsprozesse in ein sich stetig fortentwickelndes modernes Bildungsprogramm hinein. Wir lehnen Ihren Antrag daher ab.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit