31. August 2018

Kerstin Eisenreich zu TOP 25: Sofort ist sofort - Auslobung einer Weidetierprämie

Anrede

Die Situation von Schäferinnen und Schäfern, aber auch Ziegenhalterinnen und -haltern ist prekär und sie spitzt sich weiter zu. Niedrige Einkommen bei schwerer Arbeit sowie geringe Vergütung und Wahrnehmung der Leistungen für die Gesellschaft führen dazu, dass immer weniger junge Menschen bereit sind und es sich überhaupt leisten können, diesen spannenden und wichtigen Beruf zu erlernen und auszuüben. Eine ähnliche Situation durchleben die Halterinnen und Halter von Mutterkühen mit Weidehaltung. Hinzu kommen neue Herausforderungen des Herdenschutzes vor Wolfsangriffen. Und gerade gegenwärtig leiden sie alle unter den Folgen der diesjährigen Dürreperiode.

Mit der Weidetierhaltung werden Kulturlandschaften gepflegt, Landschaftspflege und Grünlanderhalt betrieben, für Artenvielfalt und Klimaschutz gesorgt, Deiche erhalten. Dadurch bekämpfen sie auch invasive Arten und sie versorgen uns, die Verbraucherinnen und Verbraucher, mit hochwertigen Produkten. Ihr Beitrag zur regionalen landwirtschaftlichen Wertschöpfung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, um es auf den Punkt zu bringen: Es ist eine unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft.

Diese Wertschätzung muss sich für die Halterinnen und Halter auch finanziell niederschlagen. Und wir sehen die Verantwortung dabei nicht nur beim Bund sondern eben auch auf der Landesebene. Denn schließlich übernehmen die Weidetierhalterinnen und -halter Landesaufgaben. Daher ist die Forderung nach einer Weidetierprämie die logische Konsequenz. Es wäre ein Baustein, damit es der Weidetierhaltung besser gehen würde als jetzt. Darüber hinaus muss hier im Land geprüft werden, welche weiteren Förderinstrumente möglich sind. Bestehende Programme, insbesondere zum Herdenschutz, müssen aufrecht erhalten werden. In diesem Sinne waren auch die Abschaffung der Mutterkuhprämie im Jahr 2005 und die Überführung in eine flächenbezogene Förderung ein großer Fehler. Deshalb muss sich die Landesregierung auf Bundesebene dafür einsetzen, dass auch die Bundesregierung wie andere EU-Mitgliedsstaaten ihr Dogma aufgibt, und endlich die Direktzahlungen aus der Agrarförderung an die Produktion, d.h. die Beweidung, und nicht ausschließlich an Flächen koppelt. Weidehaltung ist eine besonders naturverträgliche und tiergerechte Art der Nutztierhaltung und für sie können aufgrund ihrer besonderen wirtschaftlichen, ökologischen und/oder sozialen Bedeutung gekoppelte Prämien gezahlt werden. Diesen Spielraum bietet die entsprechende EU-Verordnung und er muss endlich durch die Bundesregierung ausgenutzt werden.

Stellen Sie sich vor: Tag für Tag, bei Wind und Wetter und dann von dieser Arbeit nicht leben können? Nein! Weidetierhalterinnen und -halter müssen von ihrer Arbeit leben können. Deshalb brauchen sie unsere Unterstützung, denn wir als Land brauchen die Weidetierhaltung.