26. Oktober 2017

Doreen Hildebrandt zu TOP 3: Kundeninformation und -betreuung im Bahnverkehr bei Extremwetterlagen

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der Bahnreform von 1994 wurden die damalige Bundesbahn und Reichsbahn zur Deutschen Bahn AG fusioniert. Seitdem orientiert sich das Staatsunternehmen vor allem am Gewinn in der Bilanz.

Und seitdem heißt es von der Politik auf fast alle kritischen Nachfragen zur Strategie der Bahn hin, es handle sich um Entscheidungen eines eigenwirtschaftlichen Unternehmens – auf die die Politik keinen Einfluss habe. Zuletzt konnten wir das ja von Herrn Webel beim Rückzug der Deutschen Bahn bei den Güterbahnhöfen und bei der Diskussion um die Planung der Baumaßnahmen am Bahnhof Köthen hören. Umso mehr erstaunt mich der heutige Optimismus der Koalition, jetzt doch mal Einfluss nehmen zu wollen.

Die gewinnorientierte Ausrichtung der Deutschen Bahn hat doch dazu geführt, dass sie sich aus vielen zentralen Bereichen des Bahnverkehrs zurückgezogen hat – sei es der regionale Güterverkehr oder der Fernverkehr auf mittleren Strecken -, dass die Fahrpreise überproportional angestiegen sind, dass gerade im Servicebereich massiv Personal abgebaut wurde und dass die Qualität des Bahnverkehrs unter Kostenvorbehalt steht.

Natürlich rücken diese Zustände besonders bei Extremereignissen wie zum Beispiel beim Sturmtief „Xavier“ in den Focus der Öffentlichkeit.

Es ist ja auch dramatisch, wenn Menschen, die einfach nur von beispielsweise Halle, Hafenstraße 7 nach Osterburg zum Gymnasium reisen wollen, in Zügen oder an Bahnhöfen festsitzen und keinerlei Informationen bekommen, wie und wann es weitergeht oder weitergehen könnte. Und das im Zeitalter von Apps und digitaler Information!

Eine Nacht im sogenannten „Hotelzug“ kann man niemanden wünschen.

Genauso unbefriedigend war die Situation aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die selbst nicht ausreichend informiert wurden. Ich bewundere und danke all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die trotz dieser Umstände freundlich blieben und halfen, so gut sie konnten.

Wir unterstützen das Anliegen der Koalition, einen Maßnahmeplan zur Krisenbewältigung und -kommunikation von der Landesregierung zu fordern, obwohl es in unseren Augen zuerst Aufgabe der Deutschen Bahn wäre.

Allerdings wollen wir, dass die Reisenden über ihre Interessensvertretungen wie Fahrgastbeiräte und Fahrgastverbände daran beteiligt werden. Reisende sind Menschen, die tagtäglich die Dienstleistungen der Deutschen Bahn in Anspruch nehmen und sehr genau wissen, was sie sich in solchen Ausnahmesituationen wünschen, aber auch erwarten. Daher bitte ich um Zustimmung zu unserem Änderungsantrag.

Vielen Dank.