15. Oktober 2015

Bianca Görke zu TOP32: Berufs- und Studienorientierung im Gymnasium verbindlich verankern

Der vorgelegte Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist bereits seit einiger Zeit im parlamentarischen Raum und es herrscht im Grundsatz eine fraktionsübergreifende Einigkeit. Diese Einigkeit ist ganz sicher nicht Ausdruck einer ausufernden Harmonie sondern es ist ein Reagieren auf die Bedürfnisse einer sich wandelnden Gesellschaft.
Dazu gehört es auch, dass tradiertes Wissen auch mal in seinen Grundfesten erschüttert werden darf. Hier spreche ich vom alten Ansatz her – Abiturienten sind die künftige akademische Elite und die anderen allgemeinen Schulen das Rückgrat der Wirtschaft, des Handels und Gewerbe.

Die Durchlässigkeit von Bildungsgängen in der beruflichen Bildung, die wir explizit befürworten, erfordert aber ein Beschreiten anderer Wege und eine Mitnahme Aller. Längst endet die duale Ausbildung nicht im Berufsleben sondern mündet dann in eine akademische Laufbahn, auch diese Möglichkeiten sollten nachhaltiger in allen Schulformen publiziert werden.

Die Antragsteller beziehen sich in ihrem Antrag auf den Berufsbildungsbericht 2012. Inzwischen liegt uns auch der Berufsbildungsbericht des Jahres 2014 in digitaler als auch in Hochglanzoptik vor. Hochglanz ist allerdings hier lediglich die Aufmachung, die Zahlen sprechen eine andere Sprache, insbesondere die Ausbildungsabbrüche sind leider auf dem hohen Niveau von über 30 % eingependelt. Sachsen-Anhalt findet sich mal wieder im Roten Laternen Bereich bzw. findet sich im oberen Bereich der negativen Statistik. Umso mehr darf es verwundern, dass im Berufsorientierungsprojekt Brafo( Berufswahl richtig angehen Frühzeitig Orientieren) als auch Mobi Kig ( Motivation und Berufsorientierung – Kinder gewinnen) sich ausdrücklich nicht an die Gymnasien richtet. Im Februar 2015  wurde für 9000 SchülerInnen in  25 Lose das Programm, welches sich aus ESF Mitteln finanziert auf den Weg gebracht. Nicht einbezogen die Gymnasien, ganz im Gegenteil, bei den Zugangsvoraussetzungen wird explizit darauf hingewiesen, dass nur Schüler ohne gymnasialen Bildungsgang antragsberechtigt sind. Schauen wir in eine großes Flächenland, nämlich Nord Rhein Westfalen – da wurde ESF gestützt ein Programm aufgelegt, welches genau dem heute zu behandelnden Antrag entspricht, nämlich eine verbindliche Berufs- und Studienorientierung für alle Schülerinnen und Schüler. Das ist innovativ und der richtige Wege, weg von der Zweiklassenbildung – richtige Signale hin zu Möglichkeiten einer echten Bildungsdurchlässigkeit und Chancennutzung. Denn es liegt ebenfalls im Interesse der Gesellschaft Sekundarschüler auf Möglichkeiten akademischer Bildung aufmerksam zu machen.

Und ja auch eine Berufsorientierung an Gymnasien kann für die Lebensplanung wichtig sein, hilft sie doch wesentlich bei der Entscheidungsfindung. Die bisherige Regelung, dass ja geübt wird Lebensläufe und Bewerbungen zu schreiben und auch mal Praktika vermittelt werden, ist sicher kein Glanzstück einer verbindlichen Berufsorientierung in Gymnasien.

Ganz sicher kann es auch passieren, dass ein gymnasialer Schüler sagt, oh Gott, das alles ist ja ganz anders als in der Fernsehkochshow, nein um Gottes Willen ich will doch lieber studieren. Auch das ist dann eine gute Sache, denn es verhindert einen Karrierebeginn, der zum Scheitern verurteilt ist,  da er auf Unkenntnis fußt. Also Berufsorientierung und Studienorientierung als Mittel der Kenntnisvermittlung auf hohem Niveau – kontinuierlich und fachlich unterstützt, ist für alle jungen Menschen unabdingbar. Es hilft Enttäuschungen zu minimieren, es schont Ressourcen und es eröffnet gute Perspektiven für die jungen Menschen, als auch für die Hochschulen und die Wirtschaft. Es ist einfach ein Stück Lebenswirklichkeit. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass es zahlreiche gute Initiativen gibt und zahlreiche Kooperationen zwischen Schulen und der Bundesagentur , den weiterführenden Fach- und Hochschulen sowie Betrieben, dies alles ist lobenswert und zeigt die Bereitschaft der Akteure , aber eine generelle Verpflichtung lässt sich daraus nicht ableiten und immer noch zu viele sind eben nicht mit im Boot.

Wir wünschen uns für die Zukunft keine unnütze Separierung bei der Entwicklung von Berufswahl- und Berufsorientierungskonzepten, sondern fordern die Landesregierung auf, gemäß einer Chancengleichheit tragfähige Projektideen für alle zu Schülerinnen und Schüler zu entwickeln. Das Beispiel NRW war nur eins von vielen, wie es andere Länder besser machen. Den Antrag der B 90/Die Grünen unterstützt unsere Fraktion ausdrücklich.