23. November 2017

Hendrik Lange zu TOP 4: Die Bekämpfung des Riesen-Bärenklau ist eine Landesaufgabe

Anrede,

Die AfD ist nun auch gegen den Riesen-Bärenklau und möchte dies durch einen langen Antrag dokumentieren – nunja!...

Der Riesen-Bärenklau ist eine schöne große und imposante Pflanze und wurde als solche Zierpflanze nach Mitteleuropa gebracht. Allerdings hat sie sich nicht an die Erwartungen von uns Menschen gehalten und ist an ihren vorgesehenen Standorten in den Gärten geblieben. Nein sie folgte ihrem natürlichen Hang zur Ausbreitung. Und da die Standortbedingungen bei uns für die Etablierung des Bärenklaus geeignet sind, finden wir ihn nun vielerorts.

Allerdings hat der Riesen-Bärenklau Eigenschaften, die tatsächlich zur Gefahr werden können. Auf seiner Oberfläche befinden sich kleine Nesselhaare mit einer Flüssigkeit. In ihr befinden sich Stoffe (Furocumarine wie Xanthotoxin, Psoralen und Bergapten) die Phototoxisch wirken. Das heißt bei Hautkontakt und Lichteinfluss bilden sich verbrennungsartige Ausschläge. Das macht den Riesen-Bärenklau zu einer Gefahr besonders für Kinder.

Der Riesen-Bärenklau ist auch ein gutes Beispiel für einen Invasiven Neophyt. Heimisch ist er eigentlich im Kaukasus. Allerdings verbreitet sich die Pflanze auch bei uns sehr schnell und etabliert sich. Dabei sorgt seine schiere Größe für eine gewisse Dominanz und es besteht die Gefahr, dass er heimische Pflanzenarten somit verdrängt. Das ist im Sinne der Biodiversität eine negative Entwicklung. Gesundheitsgefahr und Schädigung der Biodiversität sind beides Eigenschaften die Anlass geben, den Riesen-Bärenklau an seiner weiteren Ausbreitung zu hindern und zurückzudrängen.

Hier gebührt der Koordinationsstelle Invasiver Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts (KORINA) großer Dank. Denn sie hat sich um die Standortdokumentation und Bekämpfung sehr verdient gemacht.

Allerdings springt der AfD-Antrag in meinen Augen zu kurz. Man stelle sich mal vor, dass jetzt Sitzung für Sitzung ein Antrag zu einem invasiven Neophyt kommt – vielleicht in Abwechslung mit Neozoen – wir hätte viel zu tun. Ich meine als Biologe ist das sicher eine reizvolle Vorstellung sich regelmäßig mit der Ökologie und dem Management einzelner Arten zu befassen. Aber das geht natürlich im Parlamentarischen Raum nicht. Hier müssen wir umfassender das Problem der Neobiota anfassen.

Wir brauchen einen systemischen und kohärenten Ansatz zum Handeln. Und natürlich ist nachvollziehbar, dass sich das Umweltministerium an der EU-Verordnung und den entsprechenden Unionslisten orientiert. Fakt ist aber auch, dass diese Listen nicht ohne weiteres die hiesige Situation der Neobiota abbildet. Hier möchte meine Fraktion die Landesregierung beauftragen – zum einen die Unionslisten zu erweitern - zum anderen aber auch zu handeln, wenn Arten darauf nicht verzeichnet sind, deren Etablierung und Ausbreitung in Sachsen-Anhalt jedoch begonnen hat. Denn dann ist die Bekämpfung noch viel einfacher. Übrigens sehen wir hier nicht nur das Umweltministerium in der Pflicht. Das für die Kommunen zuständige und das Gesundheitsministerium sind in unseren Augen ebenfalls in der Pflicht.

Die Erfassung und Einschätzung von invasiven Arten soll natürlich nicht im Luftleeren Raum passieren. Vielmehr sollte die exzellente Forschungskapazität mit den Biowissenschaften der Uni Halle, dem UFZ und natürlich dem IDiv genutzt werden. Zudem – und das ist mein zweiter Dank – hat die Korina schon exzellente Arbeit bei der Erfassung geleistet. Ich bin übrigens nicht für die Überführung in eine Landesinstitution. Vielmehr sollte die Institutionelle Förderung durch das Land erfolgen.

Bei der ganzen Diskussion um invasive Neobiota sollten wir nicht vergessen, dass der Wandel der Natur auch dazu gehört. Insbesondere in der Kulturlandschaft Mitteleuropas treffen wir Arten an, die hier nicht ursprünglich heimisch waren – die wir jetzt aber mancherorts als Rarität schützen. Wir werden insbesondere durch den Klimawandel auch eine Veränderung des Artenspektrums erleben. Deswegen wird die Abgrenzung von Invasiven Arten, die zu bekämpfen sind, und Neobiota, die wir akzeptieren bzw. akzeptieren müssen, nicht so einfach sein. Auch diese Diskussion ist wichtig und wird in Fachkreisen geführt. Zumal wir nicht wie in Australien, Neuseeland oder Galapagos auf einer Insel leben. Gleichwohl sollte gehandelt werden, wenn das Verdrängen heimischer Arten erkennbar ist und besonders dann, wenn eine Gefahr für die Gesundheit der hier lebenden Menschen besteht. Danke