Zur Zeit wird gefiltert nach: Thomas Lippmann

10. Dezember 2018

Lehrerausbildung hinkt Anforderungen hinterher - Empfehlungen der Experten werden ignoriert

Die Universitäten des Landes bilden weiterhin deutlich zu wenige Lehrkräfte aus und diese z.T. auch weiterhin am Bedarf vorbei. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die LINKE zum Stand der Umsetzung der Empfehlungen der Expertenkommission zum längerfristigen Lehrkräftebedarf hervor. Dazu erklärt der Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Lippmann:

„Durch ihr zögerliches Handeln und das Festhalten an den Fehlplanungen der Vergangenheit schreibt die aktuelle Landesregierung den Lehrermangel im Land auf weitere Jahre fort. Die von der Expertenkommission erarbeiteten Empfehlungen zur Sicherung des künftigen Lehrkräftebedarfs spielen bei der Ausrichtung der Lehrerausbildung an den beiden Universitäten offenbar kaum eine Rolle.

Zwar gibt es Schritte in die richtige Richtung, etwa beim Aufbau der Ausbildung im Grundschullehramt und bei der grundsätzlichen Umsteuerung zu mehr Studienplätzen im Lehramt an Sekundarschulen, andere zentrale Aufgaben bleiben aber unerledigt. Während weiter in den Fächern evangelische und katholische Religion ebenso wie im Fach Spanisch an Gymnasien Studienplätze weit über dem Bedarf angeboten werden, werden in Deutsch, Mathematik und Englisch ebenso wie in Physik und Chemie z.T. nicht einmal die Hälfte der künftig benötigten Studienanfänger immatrikuliert. Die Ausbildung in Kunst und Musik liegt weitgehend am Boden und für das Fach Hauswirtschaft fehlt die Ausbildung gänzlich.

Obwohl es zumindest für einen Teil der Mangelfächer durchaus mehr Bewerber gibt, werden die Immatrikulationen durch Land und Universitäten begrenzt und dringend benötigte Bewerber abgewiesen. Dabei findet die von der Expertenkommission geforderte bedarfsorientierte Fächersteuerung praktisch nicht statt. Die Landesregierung lässt keinen Willen erkennen, gemeinsam mit den Universitäten konsequente Vorgaben für die Lehrausbildung zu verhandeln und die dafür erforderlichen Finanzmittel dauerhaft zur Verfügung zu stellen.

Es ist absehbar, dass Sachsen-Anhalt auf diesem Weg der Ignoranz gegenüber fundierten Bedarfsprognosen immer weiter im Lehrkräftemangel versinken wird. Der Preis für die Fehlplanungen der Vergangenheit ist heute die stetig sinkende Unterrichtsversorgung. Wie ohne eine deutliche Ausweitung und Neuausrichtung der Lehrerausbildung künftig Schule überhaupt noch organisiert werden kann und welche Folgen das für die nachfolgenden Generationen und die wirtschaftliche Entwicklung hat, dafür fehlt heute noch die Phantasie.

Die LINKE erwartet für das Wintersemester 2019/20 deutliche Schritte zur Umsetzung der Expertenempfehlungen. Das bedeutet mindestens weiter 300 – 400 Studienplätze in den Mangelfächern, wobei die Otto- v.-Guericke-Universität in die Planungen mit einbezogen werden muss. Die Universität in Halle kann diese Kapazitätserweiterungen nicht allein bewältigen.


Magdeburg, 10. Dezember 2018