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22. Januar 2018

Derzeitige Schließung des Museums Synagoge Gröbzig wäre vermeidbar gewesen

Zur derzeitigen Schließung der Synagoge Gröbzig erklärt der kulturpolitische Sprecher Stefan Gebhardt:

„Die derzeitige Schließung der Synagoge Gröbzig ist ein Skandal, der klar vermeidbar gewesen wäre. Das nachlässige Handeln der Verantwortlichen über die letzten Monate hinweg hat zu dieser Schließung erheblich beigetragen. Das Land hat den bisherigen Betreiberverein über Jahre hinweg finanziell unterstützt und das aus gutem Grund. Man war von der inhaltlichen Ausrichtung überzeugt. Es gab von Seiten des Parlaments und der Landesregierung nie Kritik an der Arbeit des alten Vereins. Im Gegenteil, das Land hatte sich sogar dazu entschlossen, den alten Verein als Institution über mehrere Jahresscheiben hinweg zu fördern. Bestätigt wurde die hervorragende Arbeit durch die Evaluierung im Jahr 2015, bei der alle institutionell geförderten Einrichtungen im Kulturbereich von einem externen Unternehmen bewertet wurden. Der Bericht bescheinigt dem Verein eine „hoch qualifizierte Arbeit“.

Vor diesem Hintergrund kam die Absicht des Landkreises Anhalt-Bitterfeld und der Stadt Südliches Anhalt, einen kurzfristigen Trägerwechsel durchführen zu wollen, überraschend und wie sich nun herausstellt auch konzeptionslos.

Bis heute liegt dem Ausschuss für Bildung und Kultur im Landtag kein tragfähiges Konzept vor, wie sich die inhaltliche Arbeit der Synagoge zukünftig gestalten soll. Die Arbeit des alten Vereins zu kritisieren und immer wieder zu behaupten „man wolle künftig alles anders machen“ ist noch kein Konzept und rechtfertigt keine Landesförderung. Darüber hinaus beinhaltet die neue Ausrichtung der Museumsarbeit keinerlei Hinweise zum Themenbereich Juden im Nationalsozialismus. Dies ist neben der Erinnerung an jüdische religiöse und kulturelle Traditionen ein zwingend gleichberechtigter Schwerpunkt in der Erinnerungskultur und bei der Betrachtung des deutsch-jüdischen Zusammenlebens in Gröbzig.

Wir erwarten von den handelnden Personen vor Ort, dass ihr offenbar parteipolitisch motiviertes Handeln eingestellt und verantwortungsvoll mit diesem deutschland- und europaweit einmaligen historischen Gebäudekomplex umgegangen wird.

Die Fraktionen DIE LINKE und die SPD haben in den vergangenen Monaten mehrere Selbstbefassungsanträge zum Thema in den Ausschuss für Bildung und Kultur eingebracht. Darüber hinaus waren wir mehrfach vor Ort und konnten uns von der herausragenden Arbeit des bisherigen Betreibervereins der Synagoge überzeugen. Wir werden weiter am Thema dran bleiben und die Fortführung der Museumsarbeit kritisch in den Blick nehmen.“


Magdeburg, 22. Januar 2018