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26. Juli 2017

Expertengruppe muss auch über pädagogisch begründeten Bedarf reden und den Mangel nicht bis in die zwanziger Jahre zementieren

Zur Berichterstattung der Volksstimme über die Ergebnisse der Expertengruppe Lehrkräftebedarf erklärt der Bildungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag von Sachsen-Anhalt, Thomas Lippmann:

„Meine Fraktion hatte im September vergangenen Jahres einen Antrag in den Landtag eingebracht, der die Absicht der Koalition, eine Expertengruppe einzusetzen, unterstützte und zugleich die Aufgaben dieser Gruppe und ihre Zusammensetzung erweiterte und präzisierte. Der Antrag wurde mehrheitlich ohne Änderungen beschlossen.

Den in diesem Beschluss bestimmten Auftrag der Expertengruppe hat sie noch nicht erfüllt. Darüber dürfen die jetzt vorliegenden Ergebnisse nicht hinwegtäuschen. Aber selbst aus dieser noch sehr unvollständigen Vorlage aus dem Bildungsministerium geht bereits hervor, dass die erhöhte Ausbildungskapazität von 700 Studienplätzen an der MLU in Halle längst nicht ausreicht, um auch nur den Ersatzbedarf für die gegenwärtig mangelhafte Personalausstattung befriedigen zu können. Daran kann nicht mehr gezweifelt werden. Der weitere Ausbau der Ausbildungskapazität auf mindestens 1.200 Studienplätze, der auch die Universität in Magdeburg einbeziehen muss, gehört deshalb ganz oben auf die Aufgabenliste der Landesregierung.

Abgesehen davon, dass die von Mitgliedern geübte Kritik am Ministerium für Bildung zu Recht besteht und unverzüglich eine solide Arbeitsweise ermöglicht werden muss, erwarten wir, dass die Arbeitsgruppe den derzeitigen Zustand der Unterrichtsversorgung nicht einfach fortschreibt, sondern einer kritischen Bewertung unterzieht. Dabei muss sie auch die sich entwickelnden Ausgangssituationen in den Schulen, weitreichende Aufgaben der Inklusion wie den hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Sprachförderbedarf insbesondere aus anderen EU-Staaten und die Senkung der immer noch zu hohen Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss im Blick haben. Darüber hinaus fordert der Beschluss, „die Kapazitätsentwicklung auch in den Kontext beabsichtigter inhaltlicher Reformen der Lehramtsausbildung einzuordnen“.

Das Entscheidende bleibt aber: das Land darf die derzeit vom Mangel bestimmte Situation nicht bis weit in die zwanziger Jahre hinein zementieren. Jede und jeder, die oder der sich mit der Arbeit in den Schulen auskennt, hat keinen Zweifel, wir brauchen mehr Lehreinnen und Lehrer vor den Lerngruppen und Schulklassen, mehr pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mehr Fachkräfte, die besondere Aufgaben der Lernförderung bewältigen können, als jetzt zur Verfügung stehen. Es muss beherzt gehandelt und nicht der Mangel besser verwaltet werden. Dafür muss die Expertengruppe belastbare und realistische Grundlagen liefern.“


Magdeburg, 26. Juli 2017