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25. Januar 2018

Doreen Hildebrandt: Vertiefte Berufsorientierung langfristig sichern

Sehr geehrte Damen und Herren,

Brafo ist ein gutes Programm beim Einstieg in den Berufswahlprozess. Dass die 5 Tage Interessenerkundung in Verbindung mit berufspraktischem Ausprobieren verschiedener Tätigkeiten den Jugendlichen tatsächlich etwas bringen, habe ich als Berufsberaterin häufig erlebt. Fragt man 9.– oder 10.-Klässler, warum sie sich für ein Berufsfeld entschieden haben, hört man Sätze wie „ich habe doch damals in der 7. Klasse Brafo mitgemacht, da habe ich gemerkt, dass mir das gefällt“.

Allerdings ist es nach diesem Einstiegdurch Modul 1 – also diese 5 Tage in Klasse 7 – in eine berufliche Orientierung jeder und jedem Einzelnen und den Schulen selbst überlassen, wie es in den Klassen 8 und 9 weitergeht. Viele engagierte Schulen bieten interessierten Schülerinnen und Schülern weitere Möglichkeiten zum Erkunden ihrer Interessen und von Berufsfeldern an, ob über AGs, Kooperationen mit regionalen Betrieben, Praxistage oder Projektwochen. Dort kämpft jede Schule für sich allein und die meisten entwickeln kreative und tolle Angebote.

Aber der rote Faden durch den Berufswahlprozess fehlt im Land. Darum halten wir es für notwendig, Brafo weiterzuentwickeln.

Das bisher schon im Konzept vorgesehene Modul 2 – ein freiwilliges Praktikum in den Ferien in einem interessanten Berufsfeld - sollte für alle Schülerinnen und Schüler geöffnet werden. Und warum kann es danach nicht mit Folgemodulen weitergehen, wo die Jugendlichen, wenn sie sich für ein Berufsfeld entschieden haben, genauer reinschnuppern können?

Dazu müssten aber schon jetzt konzeptionelle Festlegungen und praktische Entscheidungen z.B. zur Übernahme von Fahrkosten in ländlichen Gebieten und die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen vor Ort getroffen werden.

Auch wenn wir vertiefte Berufsorientierung als eindeutige Landesaufgabe sehen um Fachkräfte zu gewinnen und Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen, ist bei solchen Programmen die Bundesagentur für Arbeit als ein wichtiger Partner einzubinden. Und das nicht nur wegen möglicher Kofinanzierung, sondern weil dort in der Berufsberatung die Fachleute sitzen, die auf den individuellen Stand der einzelnen Schülerinnen und Schüler im Berufswahlprozess eingehen und sie bis zum Eintritt in die Ausbildung und oftmals auch darüber hinaus begleiten. Dort sind auch häufig viele der freiwilligen und mühsam aufgebauten Projekte der einzelnen Schulen bekannt – komischerweise dort und nicht im Bildungsministerium.

Die örtlichen Projekte und Erfahrungen dürfen aus unserer Sicht nicht zerstört werden, sondern müssen in den roten Faden Brafo, der sich dann durch die Klassenstufen 7, 8 und 9 zieht, eingebunden werden.

Damit wäre es für alle Beteiligten leichter, aber besonders würde es den Jugendlichen erleichtert, den richtigen Weg zum passenden Beruf zu finden.

Brafo darf nicht einfach beendet werden, nur weil die Förderung über ESF ausläuft. Doch genau diese Gefahr droht ab 2020 und das ist auch der Grund, warum wir diesen Antrag heute stellen. Zu Beginn der kommenden Haushaltsverhandlungen muss die Landesregierung den klaren Auftrag haben, eine verbesserte Berufsorientierung fortzuführen und dafür Mittel einzustellen.

Ich danke der Koalition für ihre wichtigen Ergänzungen in ihrem Änderungsantrag, die genau unserer Intension folgen. Meine Fraktion übernimmt den Änderungsantrag. Daher bitte ich Sie um Zustimmung zu vorliegendem Antrag mit den Änderungen. Danke!