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8. Mai 2018

Kritik an Marx-Schriftzug ist respektlos und kurzsichtig

Zur Kritik der Aufarbeitungsbeauftragten für die SED-Diktatur, Frau Neumann-Becker, an der Aufstellung des Namenszuges „Karl Marx“ vor der gleichnamigen Sekundarschule in Gardelegen erklärt der Fraktionsvorsitzende Thomas Lippmann:

„Wenn sich die Schülerschaft einer Schule aktiv mit dem Namensgeber ihrer Schule beschäftigt, sich auch kritisch mit ihm auseinandersetzt und den 200. Geburtstag dieser Persönlichkeit zum Anlass nimmt, seinen Namenszug vor der Schule gut sichtbar aufzustellen, dann ist das ein begrüßenswerter und auch normaler Vorgang, mit dem die Schule ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllt. Dies nicht zu erkennen und zu würdigen, zeugt von wenig Achtung gegenüber den Schülerinnen und Schülern und von fehlendem Verständnis für schulische Prozesse.

Karl Marx ist ohne Zweifel eine herausragende Persönlichkeit der Weltgeschichte. Dies gilt völlig unabhängig davon, wie die Bewertung der gesellschaftlichen Entwicklungen ausfällt, die später in Folge der Auseinandersetzung mit seinen Theorien entstanden sind. Marx‘ Wirken und sein Werk auf die Interpretation durch die SED und andere sozialistische Parteien zu reduzieren und ihn damit zu denunzieren, ist kein geeignetes Signal für die Aufarbeitung der Zeit in der DDR und der Rolle der SED. Von einer Aufarbeitungsbeauftragten muss hier ein anderes Verständnis und ein anderes Herangehen erwartet werden.

Die Schule erst massiv und öffentlich zu kritisieren und dann den Dialog anzubieten, ist nicht ehrlich. Vor allem braucht die Schule keine Belehrung oder gar Zurechtweisung. Eine Gesprächskultur, die eine gemeinsame Aufarbeitung zum Ziel hat, setzt den Respekt vor der Meinung und der Entscheidung der Anderen voraus. Den hat die Aufarbeitungsbeauftragte hier vermissen lassen."


Magdeburg, 8. Mai 2018