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14. Dezember 2016

Andreas Höppner zu TOP 06: Stand und Entwicklung des Waldbrandschutzes in Sachsen-Anhalt

Wie wir aus der Großen Anfrage erkennen können, ist die Zahl der Waldbrände und die Größe der von Waldbränden betroffenen Flächen relativ stark angestiegen. Ebenso müssen wir auch zukünftig in Sachsen-Anhalt mit häufigeren Waldbränden durch Hitze und Trockenheit rechnen. Eine wesentliche Ursache hierfür ist der Klimawandel, der auch an Sachsen-Anhalt nicht vorbeigeht. Die typische Sommerdürre, die wir aus südlicheren europäischen Ländern kennen, drängt immer weiter nach Nordeuropa vor und man rechnet damit, dass in den kommenden Jahrzehnten die Temperaturen in den ostdeutschen Bundesländern um zwei bis drei Grad weiter ansteigen und die Sommer immer trockener werden. Ebenso tragen natürlich die rückläufigen Niederschläge in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten zur Erhöhung des Risikos von Waldbränden bei.

Auch gesamtdeutsche Risikountersuchungen sagen für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko voraus. Großflächige Waldbrände sind zwar eher selten, aber der Gesamtschaden pro Jahr ist ansteigend. Neben den direkten finanziellen Schäden sind mit Waldbränden auch ökologische Auswirkungen wie die Freisetzung von Treibhausgase und Schadstoffen sowie Nährstoffverlusten verbunden.
 
Neben der Witterung ist auch der Waldbestand von Bedeutung. Besonders jüngere und lichte Nadelwälder mit dichtem Unterwuchs und üppiger Bodenvegetation sind stark waldbrandgefährdet. Auch spielen die Holzeigenschaften, wie beispielsweise das Vorhandensein von Harzen, eine gewisse Rolle bei der Gefährdung. Nadelholzbestände sind deutlich häufiger von Waldbränden betroffen als von Laubholzarten dominierte Waldbestände. Der Umbau von Nadelbaummonokulturen in mehrschichtige Mischwälder mit hohem Laubholzanteil ist somit auch ein wesentlicher Ansatz zum vorbeugenden Schutz vor Waldbränden.

Das Thema Waldbrand und Waldbrandschutz ist ein sehr komplexes, welches hohe Anforderungen stellt, wenn man sich damit befassen will. In unseren Feuerwehren haben wir viele Waldbranderfahrene und es gibt viele, die aufgrund der geschilderten Umstände und Realitäten noch Waldbranderfahrene werden müssen. Der einfachste Weg ist es natürlich, die Erfahrenen mit den Unerfahrenen zusammenzubringen und die Erfahrungen in Diskussionen, Schulungen und Fachvorträgen weiterzuvermitteln.
 
Auch die technische Ausrüstung der Feuerwehren muss letztendlich den geänderten Bedingungen angepasst werden. Allradfahrzeugen sollten man bei Neuanschaffungen von Lösch- und Tanklöschfahrzeugen den Vorzug geben. Sparen bei Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehren ist hier der falsche Weg und kommt uns zukünftig teuer zu stehen.

Ziel muss es aber auch sein, Waldbrände so früh wie möglich zu erkennen, zu lokalisieren und erfolgreich zu bekämpfen, um größere Waldbrände zu verhindern und Schaden für Mensch und Natur so gering wie möglich zu halten. Waldbrand-Erkennungssysteme leisten hier gute Dienste und müssen speziell ausgebaut werden. Darüber hinaus können Livebilder erzeugt und eine lückenlose Dokumentation sichergestellt werden.
Eine Reduzierung in diesem Bereich ist ebenfalls der falsche Weg. Vielmehr müssen die Überwachungssysteme in nächster Zeit und schnellstmöglich ausgebaut werden.

Nicht nur die Überwachung der Wälder zählt zum Waldbrandschutz, sondern er umfasst insgesamt alle vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden verhindern sollen. Dazu zählen das Anlegen von Wundstreifen und auch die Festlegung von Waldbrandgefahrenstufen.

Das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt mit seinen Forstämtern ist für den vorbeugenden Waldbrandschutz in Sachsen-Anhalt zuständig. Und da sind wir wieder beim Thema der vorangegangenen Landtagssitzung. Um Brandschutz betreiben zu können, braucht man nämlich ausreichend Personal. Personal, welches aber in den letzten Jahren massiv gekürzt wurde, und neben dem Klimawandel ist auch die vorangegangene Landesregierung aus CDU und SPD mit ihrer fehlerhafte Personal-Politik Schuld an den jetzigen Zuständen. Deswegen wiederhole ich es hier noch einmal. Gebraucht wird flächendeckend eine effektive, multifunktionale und moderne Forstverwaltung. Sie dient der Vorsorge von Klimafolgen. Durch Mittelkürzungen und Personalabbau kann die Landesregierung diesem Erfordernis allerdings nicht gerecht werden und hier könnte auch die Kenia Koalition sofort und wirksam handeln. Sie tut es aber nicht oder sie will es auch gar nicht, wie mir scheint.

Wenn wir Waldbrandschutz durchführen wollen, müssen wir auch ausreichend Personal und Ausrüstung zur Verfügung stellen. Wenn wir Waldbrände frühzeitig erkennen und Schäden vermeiden wollen, brauchen wir eine optimale und flächendeckende Überwachung der Waldflächen unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Technik.
Wenn wir Waldbrände bekämpfen wollen, benötigen wir bessere und den Einsatzbedingungen angepasste Ausrüstung und Ausbildung unserer Feuerwehrkameradinnen und -kameraden sowie eine bessere flächendeckende Wasserversorgung. Die Landesregierung ist somit aufgefordert, schnellstmöglich zu handeln. Mit einer besseren Personalausstattung im Waldbrandschutz und einer Anpassung der technischen Voraussetzungen zum Brandschutz und zur Brandbekämpfung.