17. Juli 2018

Geschlechtergerechtigkeit bleibt zentrale Herausforderung in Sachsen-Anhalt

Die Antwort der Landesregierung auf unsere Große Anfrage zur Lebenssituation von Frauen und Mädchen in Sachsen-Anhalt wurde heute der Öffentlichkeit vorgestellt

„Die Lebenssituation von Frauen und Mädchen in Sachsen-Anhalt: Gleichstellung - ein noch unvollendetes Projekt?!“

Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE – 7/2540 vom 01.03.2018


Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit ist ein linkes Kernthema, das von unserer Fraktion gelebt und ressortübergreifend bearbeitet wird. Ein Blick in den parlamentarischen Betrieb Sachsen-Anhalts offenbart, dass dies auch bitter nötig ist: Der Landtag Sachsen-Anhalt ist beim Frauenanteil unter den Abgeordneten im Bundesvergleich Schlusslicht. Mit neun weiblichen Abgeordneten stellt unsere Fraktion fast die Hälfte aller weiblichen Abgeordneten insgesamt. Unter 87 Abgeordneten sind derzeit nur 19 Frauen. Das verändert das politische Klima und erschwert das geschlechtergerechte Agenda-Setting.

Die Antwort auf unsere große Anfrage bestätigt: Das im Grundgesetz verankerte Ziel der Gleichstellung von Mann und Frau stagniert in Sachsen-Anhalt. Die Landesregierung ist mit ihrem Anspruch, 50 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, gescheitert. Unsere gleichstellungspolitischen Forderungen sind aktueller denn je:

1. Wir brauchen ein Parité-Gesetz, eine verbindliche Frauenquote in Parlamenten, Ämtern, und Gremien.

2. Gender Budgeting: Geschlechtergerechte Ausgestaltung des Haushalts.

3. Gleichstellungsbeauftragte in Sachsen-Anhalt müssen weiblich sein.

4. Die Istanbulkonvention muss konsequent umgesetzt werden.

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir das umfangreiche Datenmaterial in den von uns abgefragten Themenfeldern Arbeitsmarkt, Frauen im Ehrenamt, Gesundheit, Bildung, Gewalterfahrung, Beratungslandschaft, SeniorInnen, Partizipation, Frauen und Mädchen mit Behinderungen sowie Frauen im Strafvollzug, Digitalisierung und Wirtschaft für weitere parlamentarische Initiativen aufarbeiten.

Einige wichtige Zahlen und Daten aus den Bereichen Bildung/Ausbildung/Beruf und Arbeitsmarkt möchten wir im Folgenden vorstellen:

Zahlen und Daten aus der Antwort der Großen Anfrage 7/2540 der Fraktion DIE LINKE

Bevölkerung in Sachsen-Anhalt nach Geschlecht (2016):

Frauen/Mädchen: 1.133.798

Männer/Jungen: 1.102.454

• In Sachsen-Anhalt schließen regelmäßig mehr Frauen (2016: 5.118 Frauen und 4.608 Männer) erfolgreich ihr Hochschulstudium ab. Im Überprüfungszeitraum wurden dennoch in jedem Jahr in etwa doppelt so viele Männer auf eine ProfessorInnenstelle berufen wie Frauen.

• Insgesamt liegt der Anteil der Frauen in erster Führungsebene in Sachsen-Anhalt sowohl im privatwirtschaftlichen wie im öffentlichen Bereich bei etwa 33%. Wobei frauengeführte Betriebe auf einzelne Dienstleistungsbereiche konzentriert sind.

• Im Jahr 2016 gab es 2.450 Absolventinnen und 1.358 Absolventen der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt. Führungspositionen im Geschäftsbereich Justiz in Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2016 von 62 Frauen und 118 Männern bekleidet.

Bereich Bildung/Ausbildung/Beruf

SchulabgängerInnen mit erfolgreichem Abschluss Schlussjahr 2017 gesamt:

weiblich: 7.797 und männlich: 8.208 , davon:

Sekundarsch.: weiblich: 3.114 und männlich: 3.608

Gymnasium: weiblich: 3.011 und männlich: 2.577

Freie Wald.sch.: weiblich: 34 und männlich: 29

Koop.Gesamtsch.: weiblich: 132 und männlich: 108

Integr. Gesamtsch.: weiblich: 310 und männlich: 313

Förderschulen: weiblich: 416 und männlich: 648

Gemeinschaftssch.: weiblich: 780 und männlich: 925

SchulabgängerInnen Vollzeitberufsschulen mit beruflichem Abschluss 2017: weiblich: 3.078 und männlich: 855

SchulabgängerInnen mit Abschlusszeugnis an Schulen für Berufe im Gesundheitswesen 2017: weiblich: 461 und männlich: 274

SchulabgängerInnen mit Abschlusszeugnis in Teilzeitberufsschulen 2017: weiblich: 2.713 und männlich: 4.500

AbsolventInnen an Hochschulen in Sachsen-Anhalt:

2013: männlich: 4.724 und weiblich: 5.461

2014: männlich: 4.923 und weiblich: 5.304

2015: männlich: 4.809 und weiblich 5.260

2016: männlich: 4.608 und weiblich: 5.118

Berufungen von Männer und Frauen auf eine Professur an den 7 Hochschulen in Sachsen-Anhalt:

2014: Frauen: 20 und Männer: 43

2015: Frauen: 11 und Männer: 27

2016: Frauen: 29 und Männer: 42

2017: Frauen: 17 und Männer: 45

Männer und Frauen in Führungspositionen in Sachsen-Anhalt 2016:

Geschäftsbereiche der Landesverwaltungen:

a) Bereich Justiz: Frauen: 62 und Männer: 118

b) Bereich Ministerium für Inneres und Sport: Frauen: 63 und Männer: 109

c) Ministerium für Finanzen: Frauen: 54 und Männer: 110

d) Landesamt für Denkmalpflege: Frauen: 10 und Männer: 13

e) Staatskanzlei/Kultur: Frauen: 16 und Männer: 23

f) Landesschulamt: Frauen: 14 und Männer: 16

g) LISA: Frauen: 20 und Männer: 18

h) Landeszentrale politische Bildung: Frauen: 1 und Männer: 4

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Teilzeitbeschäftigung:


2015: Frauen: 173.631 und Männer: 40.191

2016: Frauen: 179.656 und Männer: 43.934

2017: Frauen: 184.937 und Männer: 47.048