7. September 2017

Ökologische Erlebniswelt Harz/Brocken

Bericht zur ganztägigen Sitzung des Arbeitskreises III (von Paul Reinhardt)

Am 5. September 2017 besuchte der Arbeitskreis III (Wirtschaft, Wissenschaft, Landesentwicklung) der Fraktion DIE LINKE. im Landtag LSA zusammen Abgeordneten aus der Region im Rahmen einer ganztätigen Sitzung den Harz, um sich vor Ort mit verschiedenen Akteuren zu unterschiedlichen regionalen Themen auszutauschen und Impulse für die parlamentarische Arbeit zu bekommen.


Als erste Station besuchte der AK III die Landschaftspflegeverband Harz e.V. in Hasselfelde, um sich über aktuelle Probleme und Änderungsbedürfnisse zu informieren: Der Landschaftspflegeverband (LPV) sorgt sich um den Schutz und die Erhaltung der artenreichen, biologisch vielfältigen und wertvollen Biotope des Harzer und teilweise auch des Mansfeld-Südharzer Landkreises. Dabei gilt es vor allem, das Dauergrünland zu pflegen, denn dieses ist aufgrund von geringer Profitrentabilität außer zur Versorgung von mehr als einer Million Menschen mit Trinkwasser landwirtschaftlich kaum nutzbar. Die Landschaft ist aber vor allem ein wichtiges Habitat mit mehr als 250 Pflanzenarten und „bietet auch vielen Tieren, wie dem äußert seltenen Schwarzstorch einen Lebensraum“, erklärte Kerstin Rieche, Vorsitzende und Koordinatorin des LPV Harz. Als Beispiel nannte sie die vielen Rotmilane, die in den Harz fliegen, um auf frisch gemähten Bergwiesen Mäuse zu fangen. Mit Traktor und angekoppeltem Anhänger ging es zur Ortbegehung in den Wald. Bei anschließender Wanderung zeigte Rieche den Landtagsabgeordneten und Mitarbeiter*innen außerdem, dass der am Wald angrenzende Rand der Bergwiesen ein Paradies für Lurche und Tagfalter ist. Bevor diese sich zu prächtigen Schmetterlingen entwickeln, legen die Raupen dort in ihre Eier ab und sorgen für Nachwuchs. Dieses Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist von größter ökologischer Bedeutung und muss geschützt werden. Probleme hat der Verband mit der Finanzierung: Aus Landesmitteln wird derzeit nur eine LPV-Koordinierungsstellen finanziert. Rieche kritisierte weiter, dass mit der Beantragung von Fördermitteln der EU ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden sei und es sei unklar, ob der Förderung überhaupt eingewilligt wird. So habe es im Jahr 2016 gar keine Fördermittel seitens der EU gegeben. „Der bürokratische Aufwand muss reduziert werden und eine Basisförderung für die Landschaftspflege muss gesetzlich geregelt werden und Aufgabe des Naturschutzgesetzes. Wir werden schauen, was sich da machen lässt“, versicherte der umweltpolitische Sprecher Hendrik Lange, der auch im Ausschuss für Umwelt und Energie sitzt.


Im Anschluss ging es weiter zur Talsperre Rappbode, dessen Hängebrücke mittlerweile eine touristische Attraktion ist. Die Bürger*innen werden mit dem in der Talsperre aufgebrachten Wasser sowohl mit Rohwasser als auch mit Trinkwasser versorgt. Die Fraktion führte aus diesem Grund ein Gespräch mit Vertretern des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt und wollte sich über in Zukunft zu bewältigende Probleme informieren, denn auch der Stausee und das damit verbundene Mikroklima sind vom Klimawandel betroffen. So lösen sich durch die steigende Anzahl an starken Unwettern Sedimente vom Boden, die sich wiederum im Wasser lösen und damit die Qualität vermindern könnten, hieß es. Aufgrund regelmäßiger Qualitätskontrollen bestehe jedoch kein Grund zur Sorge.


Zum Schluss fanden Gespräche mit Jochen Dübbern (Vorstandsmitglied des Deutschen Wetterdienstes) und Klaus Adler (Leiter der Wetterwarte Brocken) zur Zukunft der Wetterstation auf dem über 1141 Meter hohen Brocken statt. Die Digitalisierungsreform des Bundes wird auch die Wetterstationen im Bund betreffen und die Mitarbeiter*innen, insbesondere die zur Wetterbeobachtung, durch die neuste Technik ersetzen. Dübbern erklärte, dass an anderen Stellen Facharbeiter*innen fehlen und diese dann besetzt werden können, mit Kündigungen sei also nicht zu rechnen. In der Diskussion über die Digitalisierungsreform wurden aber auch Bedenken hinsichtlich des sogenannten Outsourcing deutlich. Dies solle im Bereich der Wartung und Pflege der Messtechnik auf dem Brocken geschehen und würde den Wegfall der verbliebenen sieben Wetterbeobachter ab 2020 bedeuten.